Medien : Nach dem Sündenfall

Umlageverfahren, Sonderhonorare: das Tauziehen um den neuen ARD-Vertrag mit Harald Schmidt

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Wer weiß, wozu die Absage Günther Jauchs an die ARD in Sachen Christiansen-Nachfolge gut war. Der Vertrag jedenfalls, den Fernseh-Entertainer Harald Schmidt und die ARD zurzeit aushandeln, soll in Zeiten neuer öffentlich-rechtlicher Vetragspolitik ein anderer werden – mit mehr Zuständigkeiten und Beteiligung der ARD-Gremien. Viel Geld, das durch Jauchs Ausbleiben frei werden dürfte, kann jetzt zwar für ein weiteres Jahr mit der Prestigefigur Harald Schmidt angelegt werden, sicher ist aber, dass Schmidt beim Aushandeln nicht die ARD-Tochterfirma Degeto gegenübersitzt, sondern der gestrengere Westdeutsche Rundfunk (WDR).

Damit haben die Verwaltungsräte der ARD-Sender Einblick in den neuen Einjahresvertrag mit Schmidt, der von August 2007 bis August 2008 laufen soll. Im Grundsatz sei man sich einig. Für 43 produzierte Sendungen sind rund sechs Millionen Euro im Gespräch, Kosten, an denen sich auch andere ARD-Anstalten per Umlageverfahren beteiligen sollen. Dazu könnten noch Sonderhonorare für Schmidt-Einsätze bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 kommen – Zahlen und Modalitäten, die von offizieller ARD-Seite bislang nicht bestätigt worden. Die Vertragsverlängerung soll sich bei der nächsten Intendanten-Sitzung am 5. und 6. Februar entscheiden, wo auch die „Christiansen“-Nachfolge auf der Tagesordnung steht.

Der bisherige Vertrag mit Harald Schmidt, der im August ausläuft, galt in der ARD als „Sündenfall“, weil er an allen Kontrollgremien vorbei über die Degeto abgewickelt worden sei. Damals hatte sich der Entertainer zusammen mit dem Constantin-Chef Fred Kogel, der die Schmidt-Show mitproduziert, weitgehende Verwertungsrechte gesichert, unter anderem die an bewegten Bildern im Internet. Der neue Vertrag mit Harald Schmidt müsse nun nicht nur den Intendanten, sondern auch den Verwaltungsräten vorgelegt werden. Auch eine Blockade wäre so möglich. Einen weiteren prominenten Abgang/Ärger/Imageschaden kann sich die ARD nach dem Fall Jauch allerdings nicht leisten. meh

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