Nach der Aberkennung : Markwort verteidigt Nannen-Jury

Die Erregung unter den Mitgliedern der Nannen-Preis-Jury nimmt nicht ab. Während "Focus"-Herausgeber Helmut Markwort keinen Grund für einen Rücktritt der Juroren sieht, wartet der „Spiegel“ mit einer Reaktion ab.

Die Erregung über die Entscheidung der Nannen-Preis-Jury ebbt nicht ab. Während in der Chefredaktion des „Spiegel“ weiterhin großer Zorn über die Entscheidung herrscht, dass Redakteur René Pfister der Nannen-Preis in der Kategorie Reportage aberkannt wurde, verteidigt Helmut Markwort, „Focus“-Herausgeber und Mitglied der Jury, das Votum.

„Es wäre feige gewesen, wenn die Jury nicht gehandelt hätte“, sagte Markwort. „Es ist vernünftiger, eine Fehlentscheidung zu korrigieren, als so zu tun, als wäre nichts passiert. Denn dann wäre dem Preis und dem Journalismus geschadet worden.“ Es sei gut, dass nun eine Debatte über die Art und Weise entfacht worden sei, wie Reportagen entstehen dürften. Die Jury hatte Pfister den Preis am Montag aberkannt, weil er in seiner Reportage „Am Stellpult“ über den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) nicht alle Orte des Berichts selbst gesehen hatte. Die Jury hatte davon erst bei der Verleihung am Freitag erfahren.

Forderungen, dass die Jury zurücktreten muss, hält Markwort für abwegig. „Wir sind alle davon ausgegangen, dass Pfister im Keller von Seehofer gewesen ist“, sagte Markwort. Die Entscheidung, Pfister den Preis zu geben, sei zudem in einer „Kampfabstimmung“ gefallen.

Der „Spiegel“, in der Jury mit Chefredaktionsmitglied Mathias Müller von Blumencron vertreten, will mit seiner Reaktion wie möglicherweise einem Rückzug aus der Jury warten, bis sich die Wogen geglättet haben, heißt es aus der Redaktion. In der nächsten Ausgabe aber soll die Unterstützung für Pfister deutlich werden. Die Jury hatte an der Korrektheit der Fakten in Pfisters Reportage nicht gezweifelt. sop

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