Nach Frank Plasbergs "Hart aber fair" : Der politische Talk braucht mehr Moderatoren

Frank Plasberg hat sich tapfer bemüht, sechs viel zu laut streitende Politgrößen im Zaum zu halten. Unterstützung hätte ihm gut getan. Ein Kommentar.

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Einer moderiert, aber alle wollen auf einmal reden. Frank Plasberg mit Volker Kauder (CDU), Thomas Oppermann (SPD), Sahra Wagenknecht (Die Linke), Katrin Göring-Eckardt (Grüne), Christian Lindner (FDP) und Frauke Petry (AfD) (von links nach rechts).
Einer moderiert, aber alle wollen auf einmal reden. Frank Plasberg mit Volker Kauder (CDU), Thomas Oppermann (SPD), Sahra...Foto: WDR/Oliver Ziebe

Frank Plasberg hat alles gegeben, auf jeden Fall hat er alles versucht. In seiner ARD-Talkshow „Hart aber fair“ am Montag, die über die Schlagwörter „Steuern“ und „Sicherheit“ den „Wahlcheck 2017!“ eröffnet hatte. Vier Fraktionsvorsitzende des Bundestages und zwei Bundesvorsitzende sollten Positionen, Standpunkte und Programme klären. Was sachlich begann, entwickelte sich zur Schreitherapie in Gruppenform.

Plasberg, der seit 2001 „Hart aber fair“ erst im WDR und seit 2007 im Ersten moderiert, bekam Unterstützung durch eine straffe Struktur mit Eingangsstatement, Einspieler, Faktencheck, Zuschauerreaktionen. Dennoch hatte der 59 Jahre alte Rheinländer seine liebe Mühe, Aussagen und Emotionen zum Erkenntnisgewinn für den Zuschauer zusammenzuführen.

Das Miteinander von Moderator und Gästen wie der Umgang der Politiker untereinander rücken eine Frage ins Zentrum: Welches (Talk-) Format ist geeignet, dem großen Publikum im zunehmend unübersichtlichen Feld der Parteienpolitik Orientierung zu verschaffen?

Es wäre, zunächst, nicht verkehrt, die grundsätzlichen Statements über 20 Sekunden Redezeit hinaus zu verlängern; kein Thema ist simpel genug, um in dieser kurzen Zeitspanne über blasenwerfende Schlagworte hinaus aufgearbeitet zu werden. Schlicht können und wollen nur Populisten, nicht aber Ernstmeiner. Bei „Hart aber fair“ zeigte sich, dass viele Politiker in diesen Schreihals-Zeiten lieber über den politischen Gegner herziehen, als die eigene Position zu begründen. Das verschafft einem Talk zwar Action, wo aber bleibt die Aufklärung? Gänsehaut, Emotionen, Leidenschaft müssen nicht wegmoderiert werden, der Kampf der Meinungen ist eben auch ein Meinungskampf, trotzdem bleibt es erste Moderatorenpflicht, nicht dem Affen Zucker zu geben. Eine politische Talkshow, die sich ernst nimmt, erweist ihre Qualität in der Ernsthaftigkeit.

Im US-Wahlkampf waren die Kandidaten und die Moderatoren oft in gleicher Zahl im Studio. Das hatte was. Es war für die Journalisten von Vorteil, dass sie sich beim Fragen abgewechselt haben und jeweils einer das Geschehen beobachten und dann reagieren konnte. Die Doppelmoderation funktioniert gut in den Livemedien, und sie wäre als Sonderformat für die große Politikerrunde eine veritable Gesprächsanordnung.

Ein Bundesligaspiel braucht ein vierköpfiges Schiedsrichterteam, damit hart, aber fair um Punkte gespielt wird. Also.

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