Nach Gabriel-Interview mit Slomka : Horst Seehofer lehnt Einladung ins ZDF ab

Horst Seehofer hat seinen Auftritt beim ZDF-Jahresrücklick am Sonntag abgesagt. Er wolle „ein Geschmäckle“ vermeiden, heißt es aus der CSU. Dabei hätte der Parteichef hier noch einmal erklären können, warum er sich beim Streit um das Gabriel-Interview von Marietta Slomka eingemischt hat.

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Will nicht zum ZDF-Jahresrückblick:CSU-Chef Horst Seehofer hat seinen Auftritt bei "Menschen 2013" abgesagt. Foto: Tobias Hase/dpa
Will nicht zum ZDF-Jahresrückblick:CSU-Chef Horst Seehofer hat seinen Auftritt bei "Menschen 2013" abgesagt.Foto: Tobias Hase/dpa

Das wäre eine spannende Begegnung gewesen. Im ZDF-Jahresrückblick "Menschen 2013" am kommenden Sonntag wollte Markus Lanz mit CSU-Chef Horst Seehofer über sein erfolgreiches Abschneiden bei der Landtags- und Bundestagswahl sprechen. Um eine Frage zum Schlagabtausch zwischen SPD-Chef Sigmar Gabriel und Marietta Slomka, bei dem sich Seehofer eingemischt hat, wäre der Moderator kaum herumgekommen. Doch Seehofer hat seinen Auftritt abgesagt.

Horst Seehofer will "ein Geschmäckle" vermeiden

Er wolle "ein Geschmäckle“ vermeiden und verzichte deshalb auf den Auftritt, berichtete der "Donaukurier".

Nach dem Streit um das Interview zwischen Gabriel und Slomka im "heute-journal" am vergangenen Donnerstag, hatte Seehofer die Moderatorin kritisiert und sich schriftlich an ZDF-Intendant Thomas Bellut gewandt. Dem CSU-Chef war daraufhin politische Einflussnahme vorgeworfen worden, weil er auch im Verwaltungsrat des Senders sitzt.

Markus Lanz hätte mit dem CSU-Chef nicht nur kuscheln dürfen

Vor diesem Hintergrund wolle er sich nicht in einer ZDF-Sendung „feiern lassen“ - aber genau das ist wohl auch der Knackpunkt. Seehofer hätte sich mit Lanz nicht nur auf Kuschelkurs begeben, sondern sich auch einige kritische Frage gefallen lassen müssen - ansonsten wäre es peinlich für beide Seiten gewesen, für den Politiker wie den Sender. Doch auf eine öffentliche Rechtfertigung hatte Seehofer offensichtlich wenig Lust.

Ein ZDF-Sprecher bestätigte dem „Donaukurier“ die Absage: „Dass Gäste auch mal absagen, ist nicht unüblich und gehört zum Tagesgeschäft.“

Slomka hatte in dem Interview mit Gabriel am vergangenen Donnerstag verfassungsrechtliche Bedenken gegen den Mitgliederentscheid der SPD über den Koalitionsvertrag geäußert. Der SPD-Chef wies diese Einwände empört zurück und warf der Moderatorin Parteilichkeit vor.

Sigmar Gabriel sei "wie ein Schulbub" vorgeführt worden

Auch Seehofer übte anschließend Kritik: Es gehe nicht, dass Politiker im öffentlich-rechtlichen Fernsehen „wie ein Schulbub“ vorgeführt würden, begründete er seine Beschwerde an den Intendanten.

Bellut verwahrte sich gegen Einflussversuche aus der Politik: „Wir sind in unserer journalistischen Arbeit unabhängig, egal wer in Berlin regiert“, sagte er in einem Interview. Gleichzeitig nahm er die Moderatorin gegen die Kritik von CSU-Chef Horst Seehofer in Schutz: „Marietta Slomka ist eine hervorragende Journalistin und ein Aushängeschild für das ZDF.“ (mit dpa)

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