Nach Merkels Ermächtigung : Böhmermann kündigt Fernsehpause an

Einen Tag nach der Zulassung des Verfahrens gegen Jan Böhmermann kündigt der TV-Moderator und Satiriker eine vierwöchige Fernsehpause an. Das ZDF sagt ihm alle juristische Hilfe zu.

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Vor türkischer Flagge: Jan Böhmermann trägt am 31. März im ZDF sein Schmähgedicht vor. .
Vor türkischer Flagge: Jan Böhmermann trägt am 31. März im ZDF sein Schmähgedicht vor. .Foto: Vimeo

"Liebe Fans des Neo Magazin Royale", so beginnt der Text, in dem der ZDFneo-Moderator und Satiriker Jan Böhmermann am Sonnabend via Facebook eine TV-Pause bekannt gibt. Er habe sich entschlossen, „eine kleine Fernsehpause einzulegen, damit sich die hiesige Öffentlichkeit und das Internet mal wieder auf die wirklich wichtigen Dinge wie Flüchtlingskrise, Katzenvideos oder das Liebesleben von Sophia Thomalla konzentrieren kann“, begründet Böhmermann seine Entscheidung.

Wie lange die selbst auferlegte Unterbrechung seiner Fernsehpräsenz anhält, sagt der Moderator zunächst nicht. Die Pause werde vier Wochen dauern, präzisierte das ZDF später seine Ankündigung. Die letzten beiden Ausgaben der Sendung "Neo Magazin Royale" waren bereits ausgefallen. „Das ZDF respektiert diese Entscheidung“, teilte der Sender via Twitter mit. Was anstelle von Böhmermanns Sendung „Neo Magazin Royale“ gesendet werde, sei derzeit noch offen. Die Produktionspause soll bis zum 12. Mai dauern. Böhmermanns Sendung lief bisher jeweils donnerstagabends beim Spartensender ZDFneo und am späten Freitagabend im Hauptsender ZDF.

Solidaritäts-Talksendung auf RadioEins

Auch seine sonntägliche Radiosendung "Sanft & Sorgfältig" auf RadioEins, die er zusammen mit Olli Schulz moderiert, fand bereits in der vergangenen Woche nicht statt. An diesem Sonntag überträgt die RBB-Welle stattdessen eine Soli-Talksendung für Böhmermann.

Am Freitag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel der Justiz die Genehmigung erteilt, gegen Böhmermann wegen Beleidigung des türkischen Staatspräsidenten vorzugehen. Erdogan hatte auf das Verfahren gedrängt und zudem eine Strafanzeige wegen Beleidigung gestellt. ZDF-Intendant Thomas Bellut sagte Böhmermann unterdessen volle Unterstützung zu. „Wir gehen mit ihm durch alle Instanzen“, erklärte er gegenüber dem „Spiegel“. „Ich streite es durch, bis ich obsiege“, sagte der Münchner Anwalt Michael von Sprenger, der Recep Tayyip Erdogan vertritt. Notfalls werde er bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen, betonte er.

Wie ernst Böhmermann seine Facebook-Ankündigung ist, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. So begründet er seinen Schritt auch damit, dass die Redaktion des Magazins davon überzeugt sei, dass ein weiterer Song von Dieter "Didi" Hallervorden zum Thema "unbedingt zu verhindern ist".

Weiterhin heißt es in dem Post wörtlich: "Vom Saarland bis nach Sachsen fühle ich eine Solidarität für die Sendung von der überwältigenden Mehrheit derjenigen, die nicht Präsident Erdogan sind, und dafür möchte ich mich von Herzen bedanken. Es bringt mich aber auch in eine schwierige Situation: Wenn selbst Beatrix von Storch auf einmal mit erhobenem Mauszeiger auf Seiten der Satire kämpft, über wen soll ich dann noch Witze machen? Nicht auszudenken, wenn sich auch noch Til Schweiger zwischen zwei Flaschen Emma Cuvé aus dem mallorquinischen Frühling melden würde, um mir beizustehen oder Campino und Bob Geldof plötzlich mit einem Charity-Song um die Ecke kämen. Daher verlasse ich jetzt erstmal das Land, lasse mir beim Twerk&Travel durch Nordkorea die Sache mit der Presse- und Kunstfreiheit nochmal genau erklären, bevor ich noch ein paar Tage mit meinem Segway auf dem Jakobsweg pilgere, um mich selbst zu finden." (mit dpa)

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