Nach Witzen über Militärchef : Ägyptischer Sender setzt Satire-Show ab

Früher nahm Satiriker Bassem Youssef Mursi aufs Korn, jetzt die ägyptische Militärregierung. Doch als am Freitag seine neue Show starten sollte, wurde sie Minuten vorher aus dem Programm gekippt.

Der ägyptische Sender CBC hat die Sendung des Satirikers Bassem Jussif abgesetzt.
Der ägyptische Sender CBC hat die Sendung des Satirikers Bassem Jussif abgesetzt.Foto: dpa

Die Sendung war bereits vorbereitet. Ein paar Witze über Militärchef Abdel Fattah al-Sisi sollte es geben – doch dazu kam Satiriker Bassem Youssef nicht mehr. Kurz vor der Ausstrahlung am Freitagabend hat der Privat-Sender CBC überraschend die neueste Folge seiner Comedy-Sendung „Al-Barnameg“ (Die Show) vom Programm genommen. Der Sender begründete den Schritt damit, dass die im Voraus aufgezeichnete Folge „gegen Vereinbarungen verstoßen“ hätte, die zwischen CBC und Youssef getroffen worden seien. Einzelheiten teilte CBC nicht mit.

Die erste Folge der zweiten Staffel von „Al-Barnameg“ war erst am Freitag vor einer Woche ausgestrahlt worden. Youssef war mit seiner Show erstmals wieder auf Sendung gegangen, nachdem das Militär im Juli den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi gestürzt hatte. Davor hatte Youssef in seiner Show die Herrschaft Mursis mit ätzendem Hohn bedacht. In der neuen Staffel verulkte er den Personenkult um den neuen starken Mann Ägyptens, den Militärchef Abdel Fattah al-Sisi.

Mit zehn offiziellen Beschwerden von Sehern hielten sich die Proteste im überschaubaren Rahmen. Dennoch nahm CBC, dessen private Eigentümer dem Militärregime nahestehen, die Satire-Show nur wenige Minuten vor der geplanten Ausstrahlung vom Programm.

Unter Mursis Präsidentschaft war Youssef im April festgenommen und stundenlang vernommen worden. Ihm wurde vorgeworfen, den Islam und den Staatschef beleidigt zu haben. Schließlich wurde Youssef auf Kaution wieder freigelassen. Das verschiedentliche Vorgehen gegen ihn verstärkt immer wieder die Sorge um die Meinungsfreiheit in Ägypten. sal/dpa/AFP

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