Medien : Nachahmer-Effekt: Bahn AG: Presse sollte Selbsttötungen verschweigen

Die Deutsche Bahn AG hat sich an die Presse mit der Bitte gewandt, Selbsttötungen im Schienenverkehr möglichst nicht mehr zu thematisieren. Die Bahn fürchte Nachahmungseffekte, wenn derartige Vorfälle von den Medien sensationell aufgemacht würden, sagte Bahn-Konzernsprecher Dirk Große-Leege am Montag. Pro Tag gebe es durchschnittlich drei Suizidfälle auf den Gleisen der Deutschen Bahn. Das Unternehmen führt bereits Gespräche mit dem Deutschen Presserat. Geschäftsführer Lutz Tillmanns sagte, die Bitte der Bahn werde geprüft. Eine Entscheidung, ob das Selbstkontrollgremium an die Presse insgesamt in diesem Sinne appelliere, gebe es noch nicht. Schon jetzt schreibe der Pressekodex vor, dass die Berichterstattung über Selbsttötung Zurückhaltung gebiete. Dies gelte insbesondere für die Nennung von Namen und die Schilderung von Begleitumständen. Eine Ausnahme sei dann zu rechtfertigen, wenn es sich um einen Vorfall der Zeitgeschichte von öffentlichem Interesse handele.

Die Bahn AG beruft sich bei ihrer Initiative auf Vorbilder in Wien und in München. In der bayerischen Landeshauptstadt sähen die Verkehrsbetriebe "einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Schlagzeilen und neuen Freitod-Versuchen", teilte der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger mit. Im Juli hätten die Verkehrsbetriebe an alle Medien appelliert, Schlagzeilen wie "Jung und lebensmüde: Sprung vor U-Bahn" zu unterlassen und sie stattdessen mit dem Sammelbegriff "Notarzteinsatz" "zu tarnen oder ganz darauf zu verzichten".

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