Medien : Nachrichten aus dem Schützengraben

Die US-Militärs beabsichtigen den Medien im Irak mehr Bewegungsfreiheit einzuräumen als in Afghanistan

Malte Lehming

Die Medien und das Militär leben in einem natürlichen Spannungsverhältnis. Besonders im Kriegsfall belauern sich beide Seiten argwöhnisch. Die Reporter wollen alles sehen und zeigen. Wenn ihnen das verwehrt wird, beschuldigen sie die oberste Heeresleitung der unlauteren Geheimniskrämerei. Die Soldaten wollen weder, dass der Gegner zu viele Informationen erhält, noch mögen sie gerne als blutrünstig und skrupellos dargestellt werden. Deshalb wittern sie fiese Hetze oder eine Gefährdung der Sicherheit der Truppe. Auflösen lässt sich diese Spannung nicht.

Jetzt erschien im „Wall Street Journal“ ein beachtlicher Artikel, unterzeichnet von Walter Isaacson, dem CNN-Chef, und Eason Jordan, dem CNN-Nachrichtenchef. Die Überschrift hieß „News from the Frontline“ – frei übersetzt: Nachrichten aus dem Schützengraben. Die Autoren berichten, dass die Bush-Regierung im Falle eines Irak-Krieges den Medien weitaus umfangreicheren Zugang gewähren will, als sie es in Afghanistan tat. Auch der erste Golfkrieg war, mit Ausnahme von Peter Arnett in Bagdad, sehr restriktiv gehandhabt worden. Inzwischen scheint sich in Washington die Meinung durchzusetzen, dass das ein Fehler war. Zu viele Live-Bilder können demoralisierend wirken – Beispiel Vietnam und Somalia. Eine zu selektive Auswahl der Berichterstattung indes verführt die Medien zu Spekulationen. Wer die Wahrheit nicht kennt – über zivile Opfer etwa –, berichtet über die Gerüchte.

Im ersten Irak-Krieg beschränkten sich die spärlichen Bilder auf einen Sender, CNN. Heute dagegen wird der Amerikaner mit Live-Schaltungen schon jetzt täglich eingedeckt. Alle großen Networks – ABC, NBC, CBS – sind ebenso längst vor Ort wie die großen, über Kabel verbreiteten Nachrichtensender – CNN, Fox, MSNBC. Und nicht nur in Bagdad haben die Reporter ihre Büros, sondern auch in vielen benachbarten Staaten. In Kuwait können US-Korrespondenten die Armee bereits bei Übungen begleiten. Die größere Offenheit der US-Militärführung steht unter einem Vorbehalt: Sollten jemals Angriffspläne veröffentlicht werden oder andere Informationen, die den Erfolg eines Einsatzes gefährden könnten, würde der Zugang sofort wieder untersagt.

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