Nachrichten-Werbung für "Fringe" : Am Ende der Glaubwürdigkeit

Der Privatsender kann Nachrichten nicht mehr von Werbung unterscheiden, ärgert sich Esther Kogelboom.

Kogelboom
Esther Kogelboom.Foto: Doris Klaas

Am Freitag, den 13. März um 20 Uhr 21 eröffnete „LeiaBaby“ einen neuen Thread im Pro-Sieben-Forum: „Habt ihr das vorhin auch kurz gesehen? Diese Frau, die ein Kind bekommen hat, dass so schnell gewachsen ist? Ist das jetzt wahr oder war das nur ein Fake. Habe das vorhin kurz in der Vorschau der Pro7 Nachrichten gesehen und kann nirgends etwas darüber lesen. Weiss jemand von euch, was das war?“

Irritation und Angst hat der Privatsender mit seinem gefälschten „Newsflash“ geschürt und zudem die Glaubwürdigkeit seines Nachrichtenformats endgültig verspielt – für Publicity.

Was wird „LeiaBaby“ dem Nachrichtenmann Michael Marx jetzt noch abnehmen können? Seine fundierte, ausgewogene Berichterstattung über den Fritzl-Prozess oder den Amokläufer Tim K.? Oder ist das auch bloß Werbung für eine neue Horror-Show, in der Killer-Schmetterlinge harmlose Arbeitnehmer in der Mittagspause angreifen?

Ein verwandter Fall passierte am 30. Oktober 1938. Der amerikanische Radiosender CBS strahlte damals das Hörspiel „Krieg der Welten“ aus, eine Adaption von H. G. Wells – damit es schön spannend ist, in der Form einer in New Jersey angesiedelten, authentisch klingenden Reportage. Den dramatisch dargestellten Angriff der Außerirdischen nahmen viele Menschen für bare Münze und suchten kopflos das Weite. Die Reportage hatte authentisch geklungen, wie eine echte Reportage eben.

Um 20 Uhr 38 antwortet der User „Deffcon“: „ich halte pro 7 – insbesondere michael marx für newstime – für relativ seriös. Deshalb würde ich eine Fehlmeldung / ein Fake eher ausschließen, da dies wenigstens revidiert werden würde.“

Das Einzige, was an dem Nachrichtensprecher Michael Marx jetzt noch relativ seriös wirkt, sind seine ergrauten Haare. Nachrichten sind nicht zum Entertainment da. Sie sind heilig und müssen das auch bleiben.

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