Medien : Nachrichtenagenturen: Ein Mann, ein Fax, ein Telefon

völ/dpa

Das Kürzel AIP steht dieser Tage häufig unter Nachrichten aus Afghanistan. Es klingt offiziell, ähnlich wie AP (Associated Press) oder AFP (Agence France Press), also wie die ganz Großen des Nachrichtengeschäfts. Doch hinter AIP, was ausgeschrieben "Afghan Islamic Press" heißt, steckt nur ein einziger Journalist: Mohammed Jakub Scharafat. Hinter AIP steckt nur ein Büro - eine Garage im pakistanischen Peshawar - ein Telefon, ein Fax. Scharafat hat sechs Mitarbeiter: drei in Afghanistan, drei in Pakistan. Zu den Kunden von AIP gehören internationale Nachrichtenagenturen wie Reuters, dpa, AFP. Und die Nachricht, dass 160 Menschen bei den amerikanischen Bombardements von Dschalalabad ums Leben kamen, hatte die kleine Garagen-Agentur als erste.

Scharafat war knapp 20, als er vor den Kommunisten nach Pakistan floh. Als 1979 sowjetische Truppen nach Afghanistan einmarschierten, gründete Scharafats Onkel eine Miliz, wurde zu einem Mudschahedin. Sein Neffe ärgerte sich über die Nachrichten, die er hörte. Die sowjetische Perspektive sei das gewesen, meint er. "Deshalb habe ich AIP gegründet. Ich wollte, dass die Welt die Wahrheit über den Widerstand gegen die Sowjets erfährt."

Er sitzt in seinem Büro, das in einer Flüchtlingskolonie liegt, wo er mit seiner Frau und sieben Kindern lebt. Dort finanziert er eine Schule für Mädchen. Das Telefon klingelt, ein Sprecher der Taliban-Gegner ruft von seinem Satellitentelefon im Norden Afghanistan aus an. Er behauptet, die Nordallianz sei gegen die Taliban vorgerückt. Scharafat telefoniert mit einem Sprecher der Taliban, mit einem seiner Informanten in Afghanistan. Dann schreibt er in schwungvollen arabischen Buchstaben seine Nachricht auf ein Blatt mit AIP-Briefkopf und steckt sie in sein Fax-Gerät - die Nachricht ist in der Welt.

Als zuverlässig gilt die AIP hierzulande allerdings nicht. Die Associated Press Deutschland verwendet Scharafats Nachrichten nur unter "größtem Vorbehalt", wie Chefredakteur Peter Gehrig sagt. Nicht alle Kontakte der AIP zu den Taliban seien gut, einige Informationen hätten sich als "völlig falsch" erwiesen. Scharafat weiß um das geringe Vertrauen in seine Agentur. "Nachrichten zu sammeln, ist nicht das Problem", sagt er. "Das Problem ist, sich der Wahrheit sicher zu sein."

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