Nachrichtenmagazin "Spiegel" : Alle gegen einen

Die Geschlossenheit der "Spiegel"-Mitarbeiter ist ein klares Zeichen der Ablehnung gegenüber Geschäftsführer Mario Frank.

Eigentlich tanzt unter all den Alpha-Männchen und -Weibchen, die beim „Spiegel“ arbeiten, fast immer jemand aus der Reihe, wenn wichtige Dinge besprochen werden. Doch als sich gestern rund 800 Mitarbeiter in der Kantine des Hamburger Nachrichtenmagazins zur Versammlung der „stillen“ Gesellschafter trafen, ging es überraschend gelassen und gesittet zu – ein gutes Zeichen für die Vertreter der Mitarbeiter KG. Sie wissen nun: Die „Spiegel“-Mannschaft steht nahezu geschlossen hinter ihr und trägt das Misstrauensvotum mit, das die KG Geschäftsführer Mario Frank vor knapp zwei Wochen ausgesprochen hat.

Die Personalie war am Dienstag wichtigstes Gesprächsthema. Dass sie erneut zu Turbulenzen im Haus an der Hamburger Brandstwiete führt, soll Armin Mahler bedauert haben, berichteten Teilnehmer. Mahler ist Sprecher der Mitarbeiter KG, die mit 50,5 Prozent Mehrheitseigner beim „Spiegel“ ist. Er hoffe, dass man sich bald mit Gruner+Jahr (G+J) auf einen neuen Geschäftsführer einige. Der Verlag ist mit 25,5 Prozent am „Spiegel“ beteiligt. G+J-Vorstandschef Bernd Kundrun hatte in der vergangenen Woche verkündet, dass er keinen Anlass für einen Wechsel an der Verlagsspitze des Nachrichtenmagazins sehe.

Doch selbst Cordelia Freiwald, die sich als einziges Vertreterin der fünfköpfigen Mitarbeiter-KG-Spitze für Frank ausgesprochen hatte, habe gestern gesagt, dass es keine Vertrauensbasis mehr zwischen den „Spiegel“-Mitarbeitern und Frank gebe. So soll Frank seiner Abteilung inzwischen verboten haben, mit Mahler zu sprechen, heißt es aus dem Haus.

Die Geschlossenheit der „Spiegel“-Mitarbeiter ist aber nicht nur ein Zeichen der Ablehnung gegen Frank. Sie ist auch Ausdruck des Machtbewusstseins gegenüber G+J und soll signalisieren, dass der Verlag keine andere Chance habe, als Franks Ablösung zuzustimmen. Wer Frank folgen soll, wurde gestern nicht diskutiert. Mahler soll betont haben, dass er dies in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit allen Gesellschaftern bestimmen wolle. Wann Kundrun gedenkt, sich dafür Zeit nehmen, bleibt weiterhin offen. (Tsp/sop)

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