Nachrichtenmagazine : Die „Woche“: Zuversicht und Schadenfreude

Nach dem Ausstieg von Springer-Verlag und WAZ fragt sich die Branche, was aus Stefan Austs Zeitschriftenprojekt wird.

von
Foto: pa/dpa
Foto: pa/dpaFoto: picture-alliance/ dpa

„Wie ich Stefan Aust kenne, war das nicht das Aus“, sagte „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo am Rande der Henri-Nannen-Preis-Verleihung in Hamburg. Der Ausstieg von Springer-Verlag und WAZ aus dem Zeitschriftenprojekt „Woche“ war am Freitagabend ein äußerst kontrovers diskutiertes Thema. „Natürlich habe ich mir dieses Aus gewünscht“, räumte „Focus“-Herausgeber Helmut Markwort ein: „Das Propagandagenie ist hier erstmals an der eigenen Propaganda gescheitert“, meinte er.

Die WAZ-Gruppe, für die Ex-„Spiegel“-Chefredakteur Aust mit seiner Firma Agenda Media das Wochenmagazin ursprünglich entwickelte, hatte zusammen mit dem anderen designierten Hauptgesellschafter, dem Axel Springer Verlag, am Donnerstagnachmittag den Rückzug erklärt, wegen des „gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfelds“. Anzeigenabteilung und Vertrieb hatten offenbar noch einmal nachgerechnet und waren zu dem wenig überraschenden Ergebnis gekommen, dass hohe Investitionen derzeit zu riskant sind. „Die 50 Millionen Euro, von denen immer die Rede war, halte ich für viel zu niedrig angesetzt“, sagte Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der „Stern“-Chefredaktion und ehemaliger Leiter der 2002 eingestellten Zeitung „Die Woche“. Er schätze das Investitionsaufkommen für ein solches Projekt auf rund 150 Millionen Euro. Das Ende sei von daher erwartbar, wenn auch nicht weniger ernüchternd gewesen. „Bedauerlich“ findet „Stern“-Chefredakteur Andreas Petzold das vorläufige Aus für Aust. „Ich kann das Projekt zwar nicht wirklich beurteilen“, meinte er, „aber ich halte es für eine gute Idee. Offenbar hat sich kein marktfähiges Konzept dafür gefunden.“

Aus der Entwicklungsredaktion am Hamburger Hafen lässt Christian Krug, der designierte stellvertretende Chef der „Woche“, verlauten: „Ich bleibe als Berater sicher weiter an Bord, denn dies ist nicht das Aus dieses wunderbaren Projektes. Es gibt noch eine ganze Reihe anderer Optionen, die nicht schlechter sein müssen.“ Welche, darüber will auch Aust nicht sprechen. „Schönes Projekt, aber hohe Geldverbrennungswahrscheinlichkeit“, sagte Hajo Schumacher, ehemaliger „Max“-Chefredakteur. „Aust könnte sein eigenes Vermögen verbraten, aber als Nebenerwerbslandwirt weiß er: Es ist allemal sicherer, das Geld anderer Leute auszugeben.“ Simone Schellhammer

0 Kommentare

Neuester Kommentar