Nachrichtensender : Bad News für Berlin

Unsichere Zukunft von N24 bei Pro Sieben Sat 1, dessen Chef Thomas Ebeling nach Einsparpotenzial sucht.

Joachim Huber
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Im gläsernen Studio von N24 in Berlin: Das Moderatorenduo des N-24-Mittagsreport, Christina von Ungern-Sternberg und Thomas Spahn....Foto: dpa

Fernsehnachrichten sind ein teures Geschäft. Im Medienkonzern Pro Sieben Sat 1 wird, nicht zum ersten Mal, darüber nachgedacht, wie teuer sie für die Sender der Gruppe sein dürfen. In der Konstruktion, N24 produziert in Berlin die Nachrichten fürs eigene Programm und zugleich für Pro Sieben & Co., schien ein kostengünstiges Modell etabliert zu sein. Für N24 ging und geht die Rechnung auf, über eigene Werbeeinnahmen und die Zulieferung arbeitet der Sender profitabel. Für die gesamte Gruppe bleiben die Nachrichten ein negativer Kostenfaktor. Pro-Sieben-Sat-1-Chef Thomas Ebeling sucht vor diesem Hintergrund und der insgesamt angespannten wirtschaftlichen Situation des Fernsehunternehmens nach Einsparmöglichkeiten. Alle Optionen würden geprüft, sagte Ebeling vor N24-Mitarbeitern, bis hin zum Verkauf an einen strategischen Investor. Teil eines solchen Deals wäre, dass der N24-Käufer der Sendergruppe Nachrichten liefert. Sat 1 oder Pro Sieben sind als sogenannte Vollprogramme zu News im Programm verpflichtet. In den Sendelizenzen nicht vorgeschrieben ist die Qualität der Nachrichten.

Thomas Ebeling sagte auch, die Prüfung aller Optionen würde bis Februar oder März 2010 dauern. Was er betonte: „Es gibt keinen Verkaufsprozess.“ Das gilt aktuell, muss aber nicht für alle Zeiten gelten. Das Ziel aller Operationen und Optionen ist ein Sparziel, klar ist zudem, dass Nachrichten im Entertainmentkonzern Pro Sieben Sat 1 nicht die oberste Priorität besitzen. Sie sind Beiwerk. Für die Mitarbeiter von N24 und den Medienstandort Berlin sind das nicht die besten Nachrichten.

Dem Zeitungskonzern Axel Springer wird immer starkes Interesse an einem Fernsehengagement nachgesagt, damit die Bewegtbild-Quellen für die Online-Offensive nie wieder versiegen mögen. Aus dem Konzern ist allerdings ein deutliches Dementi zu hören. Es gebe kein Interesse an einem Fernsehsender wie N24, die Schwerpunkte der Investitionen und Akquisitionen lägen eindeutig im digitalen Bereich.

N24 ist der Marktführer unter den Nachrichtensendern in Deutschland wie n-tv, Phoenix, Euronews, CNN oder BBC. Der Marktanteil bei den 14- bis 49-jährigen Zuschauern ist im Jahr 2009 auf durchschnittlich 1,3 Prozent geklettert, Phoenix (ARD/ZDF) liegt bei 1,1 Prozent, n-tv (RTL Group) kommt auf 0,9 Prozent, der gesamte TV-Newsmarkt wächst von Jahr zu Jahr. Laut einer aktuellen Image-Studie von Enigma GfK für Sevenonemedia, den Werbezeitenvermarkter für Pro Sieben Sat 1, ist die Nennung von N24 als „Lieblingsnachrichtensender“ der 14- bis 49-Jährigen vor allem durch die Kriterien Glaubwürdigkeit, Aktualität und Verständlichkeit hinterlegt. Joachim Huber

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