Nachruf : Ernst Cramer mit 96 Jahren gestorben

Der Journalist Ernst Cramer, jahrelang „die rechte Hand“ des Verlegers Axel Springer, ist tot.

Der Journalist Ernst Cramer, jahrelang „die rechte Hand“ des Verlegers Axel Springer, ist tot. Der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer Stiftung sei kurz vor seinem 97. Geburtstag am Dienstag in einem Berliner Krankenhaus an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben, teilte das Medienhaus mit.

Der am 28. Januar 1913 in Augsburg geborene Cramer war Überlebender des Holocaust und nach dem Krieg enger Vertrauter des Verlegers Axel Springer. Unter anderem war er Herausgeber der „Welt“ und der „Welt am Sonntag“. Vorstandschef Mathias Döpfner nannte Cramers Tod „einen großen Verlust“. Nach Axel Springer sei er „die prägendste Figur des Verlags“ gewesen. Bis kurz vor seinem Tod erschien Cramer jeden Tag pünktlich um zehn Uhr im 18. Stock im Verlagshaus an der Axel-Springer-Straße in Berlin. Der Spross einer Kaufmannsfamilie hatte ein bewegtes Leben. Cramer war im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert, seine Eltern und sein Bruder wurden von den Nazis ermordet. Als einem der letzten Juden gelang ihm 1939 die Emigration aus Deutschland. Nach dem Krieg arbeitete Cramer als Hauptmann der US-Armee für die Militärverwaltung in Deutschland und als Redakteur der „Neuen Zeitung“ in München. Der Verleger Axel Springer wurde auf ihn aufmerksam und holte Cramer 1958 als stellvertretenden Chefredakteur der „Welt“ ins Verlagshaus. 1969 wurde er Leiter des Verlegerbüros, Herausgeber und Aufsichtsratsmitglied.

1985 war Cramer neben dem Aufsichtsratsvorsitzenden Bernhard Servatius und Witwe Friede Springer Testamentsvollstrecker Axel Springers. Cramer wurde für sein Eintreten für Menschlichkeit und Toleranz mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz, der Leo-Baeck-Medaille und dem Heinz-Galinski-Preis. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit würdigte Cramer als „große Persönlichkeit“. Er hob dessen „Kampf für Toleranz und gegen Extremismus jeder Art“ hervor. Berlin verliere einen Freund, der für die Stadt viel geleistet habe. Tsp

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