Medien : Nachruf: Kompetent, nie Kumpel

jbh

Das ging Eberhard Stanjek gegen den Strich: Also weigerte er sich, das "Nicht-Fußball-Spiel" zwischen Deutschland und Österreich bei der Fußball-WM 1982 zu Ende zu kommentieren. Angesichts des permanenten Herumstehens beider Mannschaften im Mittelfeld wäre jedes Wort zu viel gewesen, der Reporter versank in stillem Protest und schwieg beharrlich bis zum Schlusspfiff. Stanjek fühlte Sportsgeist, Fairness und Leidenschaft verletzt, das Grundgesetz des sportlichen Wettkampfs korrumpiert. Damals, 1982, war er einer der prominentesten Sportjournalisten im deutschen Fernsehen. Eine Bildschirm-Prominenz, die er aus der Moderation der ARD-"Sportschau" und aus der Kommentierung von Fußball- und Leichtathletik-Ereignissen zog. Seit 1960 arbeitete der gebürtige Berliner für den Bayerischen Rundfunk (BR), den er 1999, als Leiter des Programmbereichs Sport und Freizeit, verließ. Intendant Albert Scharf sagte, Stanjek habe die Sportberichterstattung des BR entscheidend geprägt.

Eberhard Stanjek gehört zur Generation von Dieter Adler und Addi Furler. Eine "Sportschau", eine Sport-Übertragung, war eine ernst zu nehmende Veranstaltung. Die Leidenschaft des Berichterstatters kam aus der Leistung des Sportlers, sie musste mit Fachwissen begründet sein und mit gezügelter Emotion vermittelt werden. Mit Kompetenz sollte der Zuschauer gepackt werden, nicht mit Superlativen und der Selbsteuphorisierung des Reporters. Hier war der Journalist Stanjek, dort der Sportler, gegenseitiges "Nieder-Duzen" und vereinnahmende Kumpanei gab es nicht. Eberhard Stanjek hat den Weg vom Sport-Präsentator zum Allzweck-Moderator nicht genommen. Mit Sport als bloßer Unterhaltungs-Form konnte, wollte dieser Journalist nichts anfangen.

Am Montag wurde Eberhard Stanjek tot in seiner Münchner Wohnung gefunden. Der seit längerer Zeit erkrankte Stanjek sei eines natürlichen Todes gestorben, teilte der Bayerische Rundfunk mit. Der Journalist wurde 66 Jahre alt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben