Nachruf : SR-Intendant Fritz Raff gestorben

Niemals hat der Kämpfer auf vielen (Medien-)Podien "seinen" SR vergessen. Zum Tod von Fritz Raff.

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Fritz Raff, Intendant des Saarländischen Rundfunks von 1996 bis 2011.
Fritz Raff, Intendant des Saarländischen Rundfunks von 1996 bis 2011.Foto: dpa

Im Vergleich zu den ARD-Riesen WDR, NDR oder SWR ist der Saarländische Rundfunk (SR) ein Winzling. Aber dessen Intendant Fritz Raff war es, der den Sender im äußersten Südwesten Deutschlands größer und wichtiger gemacht hat. Fritz Raff traute sich den ARD-Vorsitz 2007/2008 zu, als das Bundesverfassungsgerichts das wegweisende Urteil zur Gebührenfestlegung fällte, das die Bestands- und Entwicklungsgarantie des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erneut bestätigte.

Niemals hat der Kämpfer auf vielen (Medien-)Podien darüber „seinen“ SR vergessen. Die Gefahr, dass der mit Radio Bremen kleinste ARD-Sender als Folge des halbierten Finanzausgleichs aus der ARD-Kasse seine Eigenständigkeit verlieren werden könnte, ist er mit aller Kraft, mit seiner Persönlichkeit aus Heiterkeit und Hintersinn entgegengetreten. Der gebürtige Ludwigsburger wusste, wie sehr sich das „saarländische Selbstbewusstsein“ auch auf einer selbstständigen Rundfunkanstalt gründete. Durch sein Credo „Kooperation statt Fusion“ konnte der autonome SR erhalten werden, selbst wenn am massiven Stellenabbau und an der Zusammenlegung des Rundfunk-Sinfonieorchesters Saarbrücken und des SWR-Rundfunkorchesters Kaiserslautern zur Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern nichts vorbeiführte.

Der Weg von Fritz Raff an die Spitze der ARD-Anstalt wirkt, verglichen mit heutigen Intendantenkarrieren, ungerade, zufällig. Der Diplom-Verwaltungsfachwirt arbeitete für verschiedene Tageszeitungen, von 1971 an für den Südwestdeutschen Journalisten-Verband, später als Hauptgeschäftsführer des Deutschen Journalisten-Verbands. Von 1985 bis 1990 wechselte er, durchaus überraschend, in die Kommunalpolitik, als er SPD-Oberbürgermeister der Kreisstadt Mosbach in Baden-Württemberg war. Durch seine geradlinige, großmütige Art konnte er mit Leuten schnell in Kontakt kommen, sie auf seine Seite ziehen. Fritz Raff hatte, nach eigener Aussage, „keine Angst vor der Rampe“.

Der damalige SR-Intendant, Manfred Buchwald, holte ihn fünf Jahre später als Verwaltungsdirektor des Senders nach Saarbrücken. Dieses Amt übte er, journalistisch und politisch versiert, bis 1996 aus, als er zum Intendanten gewählt wurde; 2001 erstmals im Amt bestätigt, gab es bei seiner Kandidatur für eine dritte Amtszeit von August 2006 an keine Gegenstimme. Bei seiner ersten Wahl hieß der Ministerpräsident Oskar Lafontaine (SPD), bei seiner letzten Wahl Peter Müller (CDU), da war Fritz Raff im korporativ angelegten Saarland längst ein unangefochtener „Saarländer“, dessen und des Nachbarn Frankreichs Lebensfreude blieben ihm nicht fremd. Es stimmt, wenn der stellvertretende SR-Chef Hans-Günter Brüske feststellt, Raff habe „größten Anteil daran, dass der Sender zu den beliebtesten und anerkanntesten Institutionen des Saarlands gehört“.

Am Donnerstag ist Fritz Raff mit 62 Jahren gestorben, nach kurzer, schwerer Krankheit. jbh

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