Medien : „Nachtschicht“: Kein Trost nirgends

Thilo Wydra

Alle haben sie irgendwie Angst. Johnny vor seinen Eltern, deswegen sagt es nichts. Dessen Vater vor der Wahrheit, deswegen droht er. Der Schulleiter vor Aufdeckung, deswegen intrigiert er. Und die Lehrerin schließlich, deswegen nennt sie nie ihren Namen, wenn sie anonym beim Hamburger Kriminaldauerdienst anruft. Niemand zeigt Gefühl. Gefühle zeigen bedeutet Schwäche zeigen. Es ist diese Kälte, diese Emotionslosigkeit, die Lars Beckers fünften „Nachtschicht“-Film atmosphärisch durchdringt. Becker zeichnet erneut für Regie und Drehbuch verantwortlich. Abermals wird das Ermittlerquartett dargestellt von Armin Rohde in der Rolle des Erich Erichsen, Barbara Auer (Lisa Brenner) Ken Duken (Teddy Schrader) und Minh-Khai Phan-Thi als Mimi Hu.

„Nachtschicht: Ich habe Angst“ führt mehrere Handlungsstränge allmählich zusammen, was ein Grund dafür sein mag, dass die Dramaturgie etwas holpert, der Film erst mit zunehmender Länge spannender wird und an Tiefe gewinnt. Etwas holzschnittartig nimmt sich denn auch die Razzia in der Textilfabrik zu Beginn aus, die die KDDler unternehmen, weil sie den Markenfälscher Hadschi Ramzi überführen wollen. Ramzi hat einen zehnjährigen Sohn. Dieser geht auf dieselbe Schule wie der gleichaltrige Johnny Eggers. Während deren Lehrerin Violetta Kiesewetter (Ulrike Krumbiegel) bei Johnny immer wieder blaue Flecken bemerkt, findet sie beim Ramzi-Sohn ein Springmesser. Anonym macht sie den KDD auf die mögliche Misshandlung des kleinen Johnny durch seinen Vater André (Matthias Brandt) aufmerksam. Als Eggers’ Kollege Prokopp tot aufgefunden wird, erstochen mit dem Springmesser des Jungen, beginnen sich die Kreise zu schließen.

Lars Becker hat einen Psychokrimi der Phobien gedreht. Sein Hamburg ist dunkel, nass, unwirtlich, ganz gleich, wo man sich hier aufhält. Ein Film im Stil des Film noir. Thilo Wydra

„Nachtschicht - Ich habe Angst”,

ZDF, 20 Uhr 15

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