Medien : Nachtschicht

Gabi Bauer kehrt als Moderatorin der Spätnachrichten in die ARD zurück

Simone Schellhammer

Wenn da nicht diese routinierte Freundlichkeit wäre, könnte man sagen, dass Gabi Bauer von Journalisten derzeit ziemlich genervt ist. Dabei ist sie gerade an einem Punkt ihres Lebens angekommen, der eigentlich ein wenig Ruhe und Entspannung verspricht. Sie nennt es „zurück zu den Wurzeln“, andere sprechen etwas böse von ihrem „dritten Comeback“. Die Frau, die bis 2001 dreieinhalb Jahre das Gesicht der „Tagesthemen“ war, moderiert vom 2. Januar an im Wechsel mit der ehemaligen Moskau-Korrespondentin Anja Bröker das ARD-„Nachtmagazin“ um 0 Uhr 15. Zwischen diesen beiden Berufsstationen liegen für die 43-Jährige die Geburt ihrer Zwillinge im Jahr 2001 und zwei gefloppte Talkshows: „Gabi Bauer“ (ARD) und „Paroli“ (NDR).

Das ist auch der Grund, warum sie das Medieninteresse derzeit eher nervt, weil alle immer nur fragen: Wie haben Sie die beiden Niederlagen als Talkerin verarbeitet? Und wie kriegen Sie das mit ihren Kindern hin? Dass ihre beiden Sendungen relativ zügig eingestellt wurden, hat sie tapfer weggesteckt: „Manches klappt eben nicht so, wie man es sich vorstellt. Das ist doch normal im Leben.“ Manche Entscheidungen seien vielleicht nicht ganz schlau gewesen und ihr Zeitmanagement auch nicht immer optimal. Sie verbucht es unter „Versuchsschritte“, die nur einen Teil ihres beruflichen Lebens ausgemacht hätten. Derzeit moderiert sie zusammen mit Hartmut von der Tann die Sondersendung „Farbe bekennen“ im Ersten, engagiert sich für wohltätige Zwecke und im Bereich der Jugendliteratur.

Nun sind ihre zwei Söhne, Mats und Adrian, vier Jahre alt. Wenn sie nächstes Jahr nachts im Sender arbeitet, wird ihr Mann, ebenfalls Journalist, die beiden morgens zum Kindergarten bringen. Sie holt sie dann ab und verbringt mit ihnen die Zeit bis zum Arbeitsbeginn um 15 Uhr. Danach treten Kinderfrau und Großeltern in Aktion. „In der Woche drauf, wenn ich nicht moderiere, bin ich dann ganz Familienmanagerin.“ Sie selbst hat eine Weile gebraucht, bis ihr klar wurde, dass diese Art zu arbeiten gut zu ihrer derzeitigen Lebenssituation passt. Als sie vor einem halben Jahr die Moderation des „Nachtmagazins“ angeboten bekam, lehnte sie noch dankend ab. „Doch meine Arbeitszeit ist ja weitgehend dann, wenn die Kinder schlafen. Und mittlerweile ist alles auch nicht mehr so anstrengend wie als frisch gebackene Mutter.“ Die Frage, ob ohne Kinder ihre Talkshow-Versuche anders gelaufen wären, hat sie sich auch selbst gestellt. „Es ist sicher leichter, eine Topjournalistin zu sein ohne Kinder“, meint sie. „Weil man rund um die Uhr präsent und dabei sein kann. Aber es ist natürlich möglich. An den Kindern hat es definitiv nicht gelegen.“

Nach der Phase der großen öffentlichen Aufmerksamkeit will sie jetzt einfach wieder einen guten Job machen in einem Bereich, der ihr seit jeher liegt – dem der aktuellen politischen Magazine. Das ARD-„Nachtmagazin“ ist zwar das Quotenschlusslicht unter den späten Nachrichtensendungen, aber „möglichst viel Prominenz hat mich noch nie glücklich gemacht, und das Nachtmagazin ist eine Sendung mit viel journalistischer Spielfläche, was auch den Redakteuren dort gefällt“, sagt sie.

Im kommenden Jahr soll das Magazin von Montag bis Mittwoch nach Möglichkeit immer um 0 Uhr 15 ausgestrahlt werden. „Am Donnerstag um 0 Uhr 30, und der Freitag franst weiterhin nach 1 Uhr aus“, sagt Chefredakteur Kai Gniffke. Er will die Sendung für junge Leute attraktiv machen und zum Beispiel mehr Themen aus Forschung und Technik präsentieren. Dass die Moderation des „Nachtmagazins“ nicht gerade ein Top-End-Job ist, mag man auch daran sehen, dass die scheidenden Moderatoren Katharina Wolkenhauer und Thomas Bade im Grunde niemand kennt. Beide standen neun, respektive zehn Jahre am Studiopult des NDR. Sie wird nun Chefin vom Dienst bei ARD-aktuell und er Mitarbeiter beim hauseigenen Digitalsender EinsExtra. Gut dotierte Ehrenpöstchen.

Ob Gabi Bauer, die fast alle großen Journalistenpreise bekommen hat, ein ähnliches Schicksal blüht? Quotentechnisch ist das Unternehmen auf jeden Fall eine sichere Bank: Seit der Geburtsstunde des „Nachtmagazins“ 1995 hat die Sendung eine stabile Quote von rund neun Prozent. Gabi Bauers Talkshow „Paroli“ wurde bei einem Marktanteil von 4,6 Prozent eingestellt.

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