Medien : Nackte Promis, harte Politik

„Vanity Fair“ buhlt in den USA mit einer eigenwilligen Mischung um Leser

Matthias B. Krause

Schon wieder Demi Moore. Im weißen Bademantel lasziv vor einem goldbezogenen Bett hockend, starrt sie dem Leser direkt ins Gesicht. So ist sie auf dem aktuellen Titel von „Vanity Fair“ zu sehen, drinnen erzählt die Hollywoodschauspielerin, 44, von ihrer Ehe mit Ashton Kutcher, 29, aufgepeppt mit anzüglichen Fotos natürlich. Im Editorial berichtet Chefredakteur Graydon Carter mit Bedauern, wie Fotograf und Produzent vergeblich versuchten, sie zu überzeugen, alle Hüllen fallen zu lassen. So wie sie es zum Beispiel 1991 tat, hoch schwanger. Das Titelbild von damals gehört zu den berühmtesten, die das amerikanische Monatsmagazin seit seiner Wiederbelebung in den 80er Jahren produzierte.

Wenn es darum geht, Prominente nackt ins rechte Licht zu setzen, ist das Mutterblatt des heute erstmals erscheinenden deutschen Ablegers wenig schüchtern. Notfalls winkt der Edel-Verlag Condé Nast („The New Yorker“, „Vogue“) mit reichlich Barem. So sicherte er für „Vanity Fair“ – übersetzt: Jahrmarkt der Eitelkeiten – die Exklusivrechte an den ersten Bildern von Suri, der Tochter von Tom Cruise und Katie Holmes. Fotografiert werden solche Titel von den Besten der Branche, Annie Leibovitz, Mario Testino, bis zu seinem Tod 2002 auch Herb Ritts. Dabei darf es gerne schräg sein, originell, nackt auch, aber stets drei Klassen geschmackvoller als der Rest der Branche. Für die jährliche Hollywood-Edition pünktlich zur Oscar-Verleihung zeigten sich im vergangenen Jahr Scarlett Johansson und Keira Knightley, wie der Herrgott sie erschuf. Mit porzellan-weißer Haut, bewundert von einem (voll bekleideten) Tom Ford.

Carter, der die Chefredaktion 1992 von Tina Brown übernahm, verlässt sich nicht nur auf die Glamour-Geschichten, die sich zwischen Dutzenden Seiten Werbung für edelste Mode und teure Erwachsenenspielzeuge wiederfinden, er will auch knallharte Politik im Blatt haben. Seit George W. Bush im Weißen Haus regiert, startete Carter geradezu einen Feldzug gegen die Mächtigen in Washington. Dafür beschäftigt er Leute wie den vom Trotzkisten zum Neokonservativen gewandelten Christopher Hitchens als Kolumnisten. Edelfedern wie James Wolcott und Sebastian Junger liefern preisgekrönte Reportagen. Für die aktuelle Ausgabe reiste Junger monatelang durch Niger, um den nächsten Schauplatz des für die USA lebenswichtigen Kampfes um das Öl zu beschreiben.

2006 schnappte „Vanity Fair“ dem Starreporter Bob Woodward von der „Washington Post“ die Enthüllung seiner Watergate-Quelle weg. Dass sich hinter „Deep Throat“ der damalige stellvertretende CIA-Direktor Mark Felt verbarg, verbreitete der Rechtsanwalt der Felt-Familie exklusiv (und gut honoriert) im Monatsmagazin. Mit dieser Mischung aus „Hollywood-Reporter“, „Vogue“ und „Atlantic Monthly“ verkauft „Vanity Fair“ nach eigenen Angaben 1,2 Millionen Exemplare pro Monat, zwei Drittel davon an Abonnenten. Über 40 Prozent der Leser stammen aus der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen, wenigstens ein Drittel verdient mehr als 100 000 Dollar im Jahr.

Wenn die Sterne ganz günstig stehen, lassen sich Promi-Klatsch und harte Politik gar miteinander verbinden. Wie vor ein paar Monaten, als Anderson Cooper seine Autobiografie herausbrachte. Cooper ist nicht nur der Starreporter des Nachrichtensenders CNN und hat sich durch seine engagierte Berichterstattung aus dem vom Hurrikan „Katrina“ verwüsteten New Orleans einen Namen gemacht, er gehört auch zur Familie der Vanderbilts. Seine Mutter Gloria ist eine Ururenkelin des Eisenbahnmagnaten Cornelius Vanderbilt, erstklassiger amerikanischer Geldadel. Cooper verwebt in seinem Buch seine Familiengeschichte und den traumatischen Selbstmord seines Bruders mit den Emotionen, die ihn als „Katrina“-Reporter bewegen. Stoff wie aus den schönsten Träumen eines „Vanity Fair“-Chefredakteurs.

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