Nahost : Ein Krieg, zwei Ansichten

60 Jahre Israel – ein Arte-Schwerpunkt über die unterschiedliche Wahrnehmung des Nahostkonflikts. In fünf Dokumentationen zeigen jüdische Filmemacher die Anfänge des Staates Israel, ohne dabei einseitig zu sein.

Thomas Gehringer

Filmproduzent Jack Padwa, 92, ist auch nach über 50 Jahren von seinem Werk sichtlich angetan: "Genau so hat es sich abgespielt“, sagte er zu "Hill 24 doesn’t answer“, dem ersten israelischen Spielfilm, der von den Kämpfen um Jerusalem im Mai 1948 erzählt und 1955 sogar zu den Filmfestspielen nach Cannes eingeladen wurde. Dass sich die Ereignisse nach der Gründung des Staates Israel am 14. Mai 1948 "genau so“ zugetragen haben, ist eher unwahrscheinlich. Aber Bilder bestimmen die Erinnerung, haben Einfluss auf Geschichtsdeutung, da bekommt jedes Foto Gewicht – und vom Mai 1948 in Jerusalem gibt es nicht viele Aufnahmen. Wie war es also, als die Juden nach zehn Tagen Kampf um die Altstadt gegen jordanische Soldaten kapitulierten und ihre Häuser räumten, während zugleich Palästinenser im ganzen Land flohen oder vertrieben wurden?

Der Jahrestag der Gründung Israels ist Anlass für Dokumentationen und Reportagen, die mehrere Sender zeigen. Arte sticht mit seinem heute beginnenden fünfteiligen Programmschwerpunkt hervor. Auch, weil die Beiträge von israelischen oder jedenfalls jüdischen Filmemachern stammen. Dass dies nicht zwingend einen einseitigen Blick auf die Geschichte des Nahostkonflikts bedeutet, stellt der Film von Liran Atzmor unter Beweis. Auf spannende Weise nähert sich der Dokumentarfilmer aus Tel Aviv, in "Der Kampf um Jerusalem: Mai 1948“ den unterschiedlichen Perspektiven auf die damaligen Ereignisse. Er erzählt die Geschichte zweier Fotografen: John Phillips, Reporter des "Life Magazines“, begleitete die jordanischen Truppen nach Jerusalem und dokumentierte die Niederlage der Juden. Seine Bilder von verängstigten Kindern und plündernden Palästinensern gingen damals um die Welt.

Eine andere Sichtweise hatte dagegen Ali Za’arour, dessen Sohn Sohn Zaki Atzmor ins israelische Militärarchiv begleitet. Ali Za’arours Familie betreibt bis heute ein Fotolabor in Jerusalem. Seine Bilder zeigen auch zerstörte Häuser und getötete Palästinenser. "Ein Krieg, zwei Ansichten“, resümiert Liran Atzmor, der die drei Geschichten der Fotografen und des Filmproduzenten elegant verknüpft.

Zuvor erzählt Alan Rosenthal in "Erez Israel, heim ins gelobte Land!“ davon , wie Holocaust-Überlebende aus Europa nach dem Zweiten Weltkrieg nach Palästina gebracht wurden.

Weitere Dokumentarfilme zeigt Arte am 13. und 18. Mai sowie als letzten Beitrag das 90-minütige Porträt "Ariel Scharons letzter Kampf“ (21. Mai, 21 Uhr) vom ehemaligen "Le Monde“-Chefredakteur Luc Rosenzweig.

"Erez Israel, heim ins gelobte Land!“, 21 Uhr, "Der Kampf um Jerusalem: Mai 1948“ , 21 Uhr 50, beide Arte

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