Namibia : Visionen für Afrika

Namibia-Doku über eine starke Frau auf Arte

Thilo WydraD

„Na´ankuse“ lautet es, was so viel wie „Gott beschützt uns“ heißt. „Na´ankuse“, das ist das im südwestafrikanischen Namibia gelegene Reservat, das einer Größe von etwa 4 000 Fußballfeldern entspricht, und das von der 30-jährigen Marlice van Vuuren gegründet wurde. Hierin liegt denn auch jene Vision, auf die sich der Filmtitel der von Regisseur und Autor Philip Selkirk gedrehten Dokumentation „Marlice - Eine Vision für Afrika“ bezieht. Marlice, einer holländischen Großfamilie entstammend und in Namibia aufgewachsen, folgt dieser Vision konsequent: Bereits auf der elterlichen Farm „Harnas“ wurden verwaiste Tiere großgezogen, bis sie in der Wildnis ausgesetzt werden konnten.

Ziel ist es, die teils vom Aussterben bedrohten Tierarten zu erhalten, ihnen einen Lebensraum zu geben. Gemeinsam mit ihrem Mann Rudie, einem Arzt, scheint Marlice dies zu gelingen. Eigentlich ist es ein Kampf. Gegen Behörden, gegen Wilderer, gegen akute Geldnot, gegen eigene Verwandte. Einmal heißt es im Off-Kommentar, dass täglich 140 Tierarten aussterben. Kleiner Glamour-Faktor zwischendurch: Eine Zeit lang halfen Angelina Jolie und Brad Pitt, die Marlice’ Farm besuchten, als Sponsoren aus. Seitdem stellen sie sich hier auf Tourismus ein, um die Farm und das Reservat langfristig sichern zu können.

Das Schöne an dieser Dokumentation ist, dass Autor Philip Selkirk der Protagonistin durchaus nahe kommt, dass er ihre fanatische Tierliebe zu beobachten und zu transportieren vermag. Da lebt ein Mensch seinen ureigenen Traum. Weniger schön ist freilich die etwas diffuse formale Gestaltung, in der zudem der deutsche Off-Kommentar (gewiss nicht zufällig gesprochen von der deutschen Robert-Redford-Synchronstimme – Sydney Pollacks „Jenseits von Afrika“ lässt aus der Ferne grüßen), der Originalton sowie die eingesprochene deutsche Übersetzung kunterbunt miteinander gemischt sind, was dem Ganzen zuweilen einen etwas banalen Charakter verleiht. Etwas mehr Struktur und Stringenz hätte dieser Namibia-Doku über eine interessante eigenwillige Frau und ihrem afrikanischen Traum gut angestanden. Thilo Wydra

„Marlice - Eine Vision für Afrika“, Arte, 22 Uhr 30

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