Medien : National regional

„Polska“, ein Titel aus Passau und London für Polen

Knut Krohn[Warschau]

„Der beste Sport in Polen“ prangt auf dem Titelblatt. Die Macher der neuen Tageszeitung „Polska“ wissen, dass Klappern zum Handwerk gehört. Dass das alles auf hohem journalistischen Niveau vonstattengeht, dafür soll im Titel der dezente Schriftzug „The Times“ bürgen. Die Londoner Zeitung gehört zum Konzern des Medienmoguls Rupert Murdoch. Die Briten sind bei diesem Polenprojekt die Kooperationspartner der Verlagsgruppe Passau. „Polska“ wird im ganzen Land zu kaufen sein und soll – im Gegensatz zur Konkurrenz – einen starken regionalen Charakter haben.

„Polska“ wird einen überregionalen Mantel haben, in dem auch internationale Themen behandelt werden, und einen Innenteil, der sich an regionalen Bedürfnissen orientieren soll. Darüber hinaus wird jeden Tag ein Magazin beiliegen. Wie groß die Erwartungen sind, zeigen die angepeilten Verkaufszahlen. Am Freitag, wenn die Auflagen am höchsten sind, soll rund eine Million Ausgaben über den Ladentisch gehen.

Die Passauer sind seit 1994 in Polen aktiv. Neben der Verlagsgruppe Passau sind dort auch Axel Springer, Gruner und Jahr und der Bauer-Verlag involviert. Die ersten Aufkäufe polnischer Zeitungen gingen relativ geräuschlos über die Bühne. Aufsehen erregte der massive Auftritt des Springer-Verlages im Bereich der politischen Titel. Erste Gehversuche gab es 2001 mit „Newsweek Polska“, einem wöchentlichen Nachrichtenmagazin, das zwischen der liberalen „Polytika“ und der konservativen „Wprost“ platziert wurde. Mit der Zeitung „Fakt“ warfen die Hamburger 2003 eine Art „polnischer ,Bild‘-Zeitung“ auf den Markt, die mit 500 000 Exemplaren zur auflagenstärksten Zeitung avancierte.

Als der Springer-Verlag 2006 die konservative Qualitätszeitung „Dziennik“ auf den Markt brachte, war die Aufregung bei der Konkurrenz groß. 100 Millionen Zloty wendet der Verlag dafür pro Jahr auf – ebenso viel, wie das „Polska“- Projekt kostet. Der Agora-Verlag, unter dessen Dach die auflagenstarke linksliberale „Gazeta Wyborcza“ erscheint, versuchte, mit der Tabloid-Zeitung „Nowy Dzien“ ein eigenes Produkt entgegenzusetzen. Die Blattmacher scheiterten nach wenigen Monaten. Besser erging es dem Springer-Produkt „Dzennik“, dessen Auflage sich bei rund 200 000 eingependelt hat. Revolutionär war hier der Preis von 1,50 Zloty (etwa 0,40 Euro). Die „Gazeta Wyborcza“ musste nachziehen. Die dritte im Bunde der großen Qualitätstageszeitungen, die konservative „Rzeczpospolita“, hält am Preis von 2,80 Zloty fest. Fraglich nur, wie lange das bei der Konkurrenz noch zu halten ist. Der Preis für die „Polska“ beträgt ebenfalls 1,50 Zloty. Knut Krohn, Warschau

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