Medien : Natur pur

„Planet Erde“: ein Augenschmaus mit fünf Gängen

Joachim Huber

Es sind Panoramen, wie sie dem Besucher auf der Internationalen Funkausstellung mit den unzähligen LCD- und Plasmafernsehern entgegenspringen. Brillante Farben, porentiefe Schärfe, feinste Details. Meistens sind das Standbilder von der DVD, heute kommen die Bewegtbilder tatsächlich aus dem Fernseher. Geliefert von der ARD in der Reihe „Planet Erde“. Es sind dokumentarische Bilder, die zwei Voraussetzungen haben: die atemberaubende Natur und für Produktion und Ausstrahlung jene High-Definition-Qualität, die die Natur atemberaubend zeigt.

Fünf Folgen hat die internationale Koproduktion, die die Handschrift des BBC-Autoren Alastair Fothergill („Unser blauer Planet“) trägt. Um die Massenwanderungen einer Million Kalibus aus der Luft festzuhalten, wird die High-Tech- Kamera mit extrem starken Teleobjektiven eingesetzt, liefern Hochgeschwindigkeitskameras spektakuläre Aufnahmen im XXL-Zeitraffer. Was sie zeigen? Was die Zuschauer bisher so nicht sehen konnten. Also die Fressorgie der Piranhas aus gruseliger Nähe, Sandstürme aus Milliarden einzelner Körner oder einen Berg, der aus einem Lavasee herauswächst. Nach ARD-Angaben waren 40 Kamerateams an 200 Drehorten in aller Welt unterwegs. Und weil sie dort waren, sind die Folgen zwei bis fünf in „Bergwelten“, „Wasserwelten“, in „Wüstenwelten“ und „Höhlenwelten“ präsent. Zwar hat jeder Teil damit Thema und Überschrift, trotzdem haben die Macher zu keiner klaren Dramaturgie in den einzelnen Folgen gefunden. Das Prinzip heißt Überraschung der Zuschauer , so sprunghaft geht es auf diesem „Planeten Erde“ zu.

Die heutige Premiere geht vom Nordpol zum Südpol. Autor Mark Linfield veranschaulicht die wichtigsten Einflüsse, denen alles Leben auf diesem Planeten ausgesetzt ist. Die Neigung der Erdachse zur Sonne beträgt 23,5 Grad, was nichts weniger als die Entstehung von Jahreszeiten bedeutet. Die Sonne lässt im Frühjahr das Eis der Arktis schmelzen, da muss sich die Eisbärenfamilie beeilen, um ihre gefährliche Wanderung übers noch gefrorene Meer zu schaffen. Ohne Sonne keine Jahreszeiten, ohne Jahreszeiten keine Elefantenherden auf dem Weg zu den Sümpfen des Okawango im Südwesten Afrikas.

„Planet Erde“ präsentiert die Erde aus größter Nähe und aus großen Entfernungen, als Natur und Lebensraum von Tieren, das Spektakuläre, das Wunderbare, das Geheimnisvolle. Insofern beuten Fothergill und seine Mitarbeiter die Erde aus, auf der Suche und in der Sucht nach dem unglaublichsten Bild.

Einerseits. Andererseits fehlt in den fünf Folgen „Planet Erde“ der wichtigste Player: der Mensch. Kein einziges Mal taucht er auf, auch des Menschen Werk wird nicht ins Bild gerückt. In diesem Kontrast des Sichtbaren und des Unsichtbaren entfaltet „Planet Erde“ seine Kraft und seine Botschaft: Der Mensch ist der größte Nutznießer dieses Planeten, und er kann in seiner Hybris der größte Zerstörer dieses Ökosystems sein. Selbst wenn der Weiße Hai sich an die Robbe heranmacht, in mörderischer Absicht und in 40-facher Zeitlupe.

„Planet Erde“, 21 Uhr, ARD

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