Naturwunder Catterfeld : Loch Königssee

Krimi ohne Thrill: Yvonne Catterfeld taucht in ihrer ersten Hauptrolle ab - da RTL drei Jahre nach einem passenden Sendeplatz gesucht hat

Thomas Gehringer
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Yvonne Catterfeld als Reisebüroangestellte Marla.Foto: RTL

Malerisch liegt der Königssee im Berchtesgadener Land am Fuß des Watzmanns. Ein bezauberndes Fleckchen Erde, das auch als Filmmotiv in dem Kriminaldrama „Das Geheimnis des Königssees“ eine gute Figur macht. Dazu noch eine hübsche Schauspielerin mit Starfaktor, zumindest für die RTL-Zielgruppe, da kann eigentlich nicht viel schief gehen. Yvonne Catterfeld wird in dem Film von Marcus O. Rosenmüller (Regie) und Wolf Jakoby (Buch) ausgiebig und schmeichelhaft in Szene gesetzt, doch so wirklich überzeugt schien nicht einmal der Sender selbst von diesem etwas ungelenken Versuch, dem oberbayrischen Naturwunder eine spannende Geschichte mit Tiefgang abzuringen.

Die Dreharbeiten sind schon drei Jahre her: Insofern war es tatsächlich der erste 90-minütige Film, in dem Yvonne Catterfeld (zuletzt: „Vulkan“/RTL, „Schatten der Gerechtigkeit“/Sat 1) eine Hauptrolle übernommen hatte. Vor einem Jahr wurde „Das Geheimnis des Königssees“ bereits in Österreich gesendet, als DVD wird der Film schon im Internet angeboten und ab Januar ausgeliefert, doch RTL ließ sich Zeit mit der Ausstrahlung. „Wir haben einen geeigneten Sendeplatz gesucht und glauben ihn jetzt gefunden zu haben“, erklärt ein RTL-Sprecher ausweichend auf die Frage, was der Grund der Verzögerung gewesen sei. Als Indiz für eine Renaissance der Movie-Abteilung bei dem Kölner Marktführer, der sich im Wesentlichen auf wenige „Event“-Filme im Jahr konzentriert, taugt der verunglückte „Psychothriller“ jedenfalls nicht.

Die 30-jährige Catterfeld spielt die Reisebüroangestellte Marla, die den Auftrag erhält, eine Pauschalreise für Königssee-Urlauber zu organisieren. Das scheint auch dringend geboten, denn von Touristen ist im Film weit und breit nichts zu sehen. Auch das Luxus-Hotel, in dem Marla einquartiert wird, wirkt nahezu menschenleer. Es sieht so aus, als würde im Privatfernsehen schon an den Statisten gespart. Der Gast aus München stößt im Örtchen Schönau auf eisige Ablehnung, nur Hotelier Maximilian Leitner (Hans Sigl) und ein junger Hotelpage sind von Marla wie verzaubert. Sie scheint die Menschen an irgendjemanden zu erinnern, der den meisten nicht wirklich sympathisch gewesen ist. Darüber zu reden, wer diese Person namens Nora war und warum sie plötzlich verschwand, gilt offenkundig als Tabu. „Nach Motiven von Daphne du Maurier“, der englischen Schriftstellerin, deren Bücher wie „die Vögel“ von Alfred Hitchcock verfilmt wurden, sei die Geschichte geschrieben, behauptet RTL. Doch die mit eher grobschlächtigen Mitteln erzeugte bedrohliche Atmosphäre auf dieses literarische Vorbild zu beziehen, dafür bedarf es schon großen Wohlwollens.

Und mit dem „Thrill“ ist es erst recht nicht weit her. Das krimi-erprobte Publikum hat den größten Teil der „Geheimnisse“ vermutlich schneller gelüftet, als ein Tauchgang im bis zu 190 Meter tiefen Königssee dauert. Etwas plump wird Hauptperson Marla in der ersten Szene als risikobereite Hobbytaucherin eingeführt. Hm, was das wohl bedeuten mag? Aber bis sie der Sache auf den Grund gehen kann, muss sie einige Film-Tiefen überstehen: etwa Dialoge auf Soap-Niveau und einen haarsträubend konstruierten Anschlag auf der Bobbahn. Selbst die hübsche Finalidee wird einem vermiest. So dürfte wohl das größte Geheimnis des Königssees bleiben, wie man es schafft, nachts in einem Boot – allein und wach – mitten auf dem stillen Wasser vom Schlag mit einem Ruderblatt überrascht zu werden. Oberbayern kann schon sehr ungastlich sein. Und rätselhaft.

„Das Geheimnis des Königssees“, RTL, 20 Uhr 15

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