Medien : NDR: Über Eva Herman scherzt man nicht

Tim Klimeš

Zwei vollbärtige Radikale lächeln in die Kamera. Der eine fängt an, schief vom Ulmer Terrornetzwerk zu singen, der andere fuchtelt mit einer Kalaschnikow in der Luft herum. Dann wird noch ein deutscher Konvertit in den Kreis der Gotteskrieger aufgenommen und Vollbart 2 bezeichnet Osama bin Laden als schwul. Das NDR-Satiremagazin „Extra 3“ hat Donnerstagabend ordentlich hingelangt bei deutschen Befindlichkeiten.

Aber nicht bei allen. In der Vorankündigung zur Sendung am Donnerstag tauchte neben „Heimat-Terror: Achmed und Achim“ auch ein Beitrag mit dem Titel „Blondinen-Terror: Eva Herman“ auf. Auch so eine deutsche Befindlichkeit der Woche. Wer sich dann jedoch die Sendung anschaute, der sah Vollbart 1, er sah auch Vollbart 2 und Achim, den deutschen Terror-Konvertiten. Eva Herman sah er nicht.

NDR-Sprecher Ralph Coleman erklärte den fehlenden Beitrag mit dem laufenden „Trennungsverfahren“ gegen die ehemalige Moderatorin. Satire sei da „nicht angemessen“, außerdem habe es sich um eine gemeinsame Entscheidung von NDR-Fernsehdirektion und der Redaktion von „Extra 3“ gehandelt.

Komisch nur, dass andere angeschlossene Anstalten sich ihren Spaß zu Herman erlauben durften. „Polylux“-Neuling Katrin Bauerfeind startete mit ihr gar in die erste Moderation: „Gut, dass Eva Herman noch nicht über die RAF sinniert hat.“ Sie hätte ja auf die Idee kommen können, dass „nicht alles schlecht war an den durchgeknallten Bürgerkindern.“ Auch der ARD-„Scheibenwischer“ verwertete Hermans Rauswurf in der Sendung. Der NDR wollte sich auf Nachfrage zu „Programmentscheidungen anderer Sender“ nicht äußern.

Ein Totschweigen der Causa Herman kann man ihm jedoch auch nicht vorwerfen. Immerhin zeigte das NDR-Medienmagazin „Zapp“ am Mittwoch eine Chronik der Ereignisse. Ganz im Ernst.

Denn mit Späßen wird beim NDR in dieser Sache ja gespart. „Auf Empfehlung des Justiziariats“, wie es heißt. Laut NDR-Sprecher Coleman hat man sich „wegen möglicher rechtlicher Auseinandersetzungen mit Frau Herman“ dazu „entschlossen, den Beitrag nicht zu senden“. Der Weg zum Anwalt ist für Herman ja auch wesentlich kürzer als für Al-Qaida-Chef bin Laden. Tim Klimeš

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