Medien : Neoliberal und fair

Joachim Huber

Ich bin ein Ein-Sport-Fan. Ich schaue im Fernsehen Fußball, und wenn es keinen Fußball zu sehen gibt, dann halt Eishockey. Bei den Olympischen Sommerspielen fällt Eishockey aus, der Fußball bei Olympia naja – außerdem läuft die Bundesliga weiter.

Ich werde mich umorientieren müssen, damit das Olympia-Feuer mich entzündet. Sonntag war mein erster Schnuppertag. Rudern, Bogenschießen, Fechten, Reiten, Segeln, Boxen – ich hatte die Qual mit der Wahl. Gewundert habe ich mich über die Kuriosität des Tages: Frauen, die bis zu 53 Kilo schwer sein dürfen und damit Gewichte reißen wie früher die Hausfrauen beim Teppichklopfen. Der olympische Geist verlangt eben Fairness und neoliberales Denken.

Ich setze jetzt erst einmal aufs Schwimmen, aus patriotischen Erwägungen auf „Franzi“ & Co., aus Rekord-Lüsternheit auf den Amerikaner Michael Phelps. Der soll für acht Goldmedaillen gut sein. Sagt Mark Spitz, Landsmann und bisheriger Champion mit sieben Goldmedaillen. Die hat er alle 1972 in München gewonnen. Vor dem Fernseher habe ich mitgezittert, ob Spitz nach der vierten noch die fünfte, nach der fünften auch die … Wäre ich kein gelernter Westler, wäre ich bei den DDR-Superschwimmern Roland Matthes und Kristin Otto ähnlich mitgegangen. Meine zweite große Olympia-Emotion ist auf ewig mit Rosi Mittermaier verbunden. Die Skiläuferin hat 1976 in Innsbruck bei den alpinen Wettbewerben Gold gehamstert, um dann, beim Riesenslalom, von der Kanadierin Kathy Kreiner mit minimalen 13 Hundertstelsekunden Abstand auf den zweiten Platz verdrängt zu werden. Das war Wahnsinn, und eine winzige Spur von Enttäuschung ist bis heute geblieben; natürlich in nichts zu vergleichen mit der bis heute nicht verarbeiteten Halbfinal- Niederlage unserer Fußball-Heroen in Mexiko, das 3:4 gegen Italien.

Hic Athen, hic Phelps. Mein Fernseher und ich, wir haben uns für die Schwimm-Festspiele entschieden. Und sollte Phelps nicht abräumen, wird zu Ian Thorpe rübergemacht.

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