Netflix beendet "Sense8" nach nur zwei Staffeln : Sieg des TV-Kapitalismus

Netflix-Chef Hastings will mehr Serien schneller beenden. Wer aber braucht die dritte Staffel von "Twin Peaks" oder die fünfte Staffel "House of Cards"? Ein Kommentar.

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Max Riemelt schießt sich als Safeknacker Wolfgang den Weg frei in Staffel zwei von "Sense8"
Max Riemelt schießt sich als Safeknacker Wolfgang den Weg frei in Staffel zwei von "Sense8"Foto: Netflix

Reed Hastings machte eine klare Ansage: „Wir sollten eine höhere Rate an Stornierungen haben.“ Der Netflix-Boss meinte natürlich nicht die Abonnements, er meinte die Original-Produktionen. „Marco Polo“, „Lilyhammer“, „Hemlock Grove“, „Bloodline“ nach der dritten Staffel, aktuellster Fall auf der Stornierungsliste ist die Schwestern-Wachowski-Produktion „Sense8“, bei der, kaum dass die zweite Staffel online ist, das Aus verkündet wird. Die allerdings mehr und mehr introvertierte Serie wird irgendwo im Nirgendwo enden.

Die Aktionäre des börsennotierten Streaming-Giganten werden jubeln. Was die Zahl an Abonnements steigert und den Gewinn erhöht, das bleibt im Portfolio, was diese Kalkulation trübt, das fliegt raus. Jedes künstlerische Wagnis hat sich zu lohnen, im Streaming-Business regiert wie bei der linearen Konkurrenz die öde, schnöde Einschaltquote das Angebot.

Lieber ein Ende mit Schrecken


Nun muss keiner den Misserfolg einer Produktion schönreden. Der schnelle Tod kann eine Erlösung sein, ein Privatunternehmen kann sich Mitleid nur erlauben, wenn das Mitleid den Markterfolg nicht behindert.
Nur zeigt die neue, verschärfte Programmpolitik: Netflix, und der direkte Konkurrent Amazon Prime Video wird da nicht anders denken, droht die Gefahr des Kino-Klons. Was dort Sequel und Prequel heißt und entsprechend ermüdet, heißt hier Season 2 aufwärts. Sorry, Fans, aber „Twin Peaks“ III und „House of Cards“ V sind verzweifelte Versuche, eine Sensation zu saisonalisieren – Sensationen sind sie nicht.

Horror - ein Serienleben nur mit ARD und RTL


Bleibt Streaming-TV das bewundernswerte Risiko, künstlerische Freiheit mit kunstfeindlicher Rechenschieberei wenn schon nicht zu versöhnen, so doch miteinander zu verknüpfen? Was zu akzeptieren wäre: noch mehr Risiko und dafür eine noch höhere Stornierungsrate. Ist für Produzenten, Autoren, Schauspieler, für die Künstler vielleicht nicht die beste Aussicht, für die Abonnenten hingegen ein Argument für fortgesetzte Subskription. Denn die werden weniger den Tod der Lieblingsserie fürchten als die ganz große Katastrophe – ein Serienleben nur mit ARD und ZDF, mit RTL und Sat 1.

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