Neue ARD-Sendung : Im Netz verzettelt

20 Jahre nach dem Start des World Wide Web kommt das Internet ins Erste: als Ratgeber.

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Nicht hip, sondern seriös: Technikexperte Jörg Schieb und TV-Moderatorin Anna Planken wollen in der neuen ARD-Ratgebersendung die guten und die schlechten Seiten des Internet beleuchten. Foto: WDR
Nicht hip, sondern seriös: Technikexperte Jörg Schieb und TV-Moderatorin Anna Planken wollen in der neuen ARD-Ratgebersendung die...Foto: WDR/Michael Fehlauer

Anna Planken nutzt das Internet hauptsächlich als Rechercheinstrument und zur Zeitersparnis, „auch wenn man sich dabei durchaus verzetteln kann – wie ich es bei der Vorbereitung für einem Tauchurlaub erlebt habe“, erzählt die TV-Moderatorin. Dennoch kann sie sich in vielen Lebenslagen kaum noch vorstellen, wie man ohne Internet zurecht gekommen ist. Bei der Suche nach einer Wohnung in Hamburg kann sie sich zu jedem Inserat gleich ansehen, wie es in der Nähe um Kindergärten, Apotheken oder Ärztehäuser bestellt ist. „Aber man kann dabei auch schnell Bekanntschaft mit Internet-Betrügern machen“, sagt Anna Planken. Als sie sich für ein verlockendes Inserat interessierte, erhielt sie prompt eine Mail. Der Vormieter befinde sich bereits im Ausland, wurde ihr auf Englisch mitgeteilt, aber gegen die Zahlung von zwei Monatsmieten könne sie direkt einziehen, lautete die betrügerische Offerte. Ein Top-Thema für den neuen ARD-Ratgeber Internet, der an diesem Samstagnachmittag erstmals ausgestrahlt wird. Planken moderiert die Sendung zusammen mit dem Internetexperten Jörg Schieb.

20 Jahre nach dem Start des World Wide Web kommt das Internet nun im Ersten an. Die ARD will den Zuschauern mit dem neuen Format eine unabhängige Beratung anbieten. „Das ist keine Sendung für Computer-Nerds, sondern für Menschen, die im Internet regelmäßig zu Gast, aber nicht zu Hause sind“, kündigte WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn an. Davon gibt es genug, inzwischen sind drei von vier Deutschen online. Anna Planken findet es besonders bemerkenswert, wie viele Menschen im Alter von 50 bis 80 Jahren im Internet unterwegs sind, um beispielsweise mit ihren Enkeln zu skypen.

Für die erste Sendung hat sich die Redaktion unter anderem verschiedene Gesundheitsportale angesehen. Längst nicht auf jeder Seite gibt ein echter Mediziner Ratschläge, mitunter dienen sie als Vertriebskanäle für Pharmaprodukte. Beim Ratgeber Internet soll es jedoch nicht nur um die Schattenseiten des Internets gehen. Auch der Spaß, das Netz für sich zu nutzen und Neues zu entdecken, soll vermittelt werden. Wie mit dem Beitrag über die Internetportale, auf denen gebrauchte Bücher getauscht werden können.

In der ARD gibt es keine andere Sendung, die sich explizit mit dem Internet beschäftigt. Sonst kommt das Web in Magazinen oder Reportagen wie „Angriffe aus dem Internet“ vor. Überhaupt tut sich das Fernsehen schwer mit diesem Thema, zumindest in den Hauptprogrammen. Im Privatfernsehen wird das Netz vorwiegend auf Internet-Clips nach dem „Pleiten, Pech und Pannen“-Prinzip heruntergebrochen. Und im öffentlich-rechtlichen Fernsehen blieb das Web bislang vor allem Sendungen wie „Neues“ in 3 sat oder „Yourope“ auf Arte vorbehalten.

Das Erste behandelt das Thema nun auf die Art, die es am besten beherrscht: in einer zutiefst seriösen und seit langem eingeführten Form. Dabei ersetzt der Internet-Ratgeber den „Ratgeber Technik“, der sich aus ARD- Sicht überholt hat. Mit der gleichen Begründung war vor einigen Jahren im Dritten Programm des WDR der „Computerclub“ eingestellt worden, der noch aus den Anfangsjahren von PC und Bildschirmtext stammte. Ein Teil der Themen wanderte seinerzeit in die WDR-Verbraucherecke Technik. Ein ähnliches Schicksal ereilte zuletzt eine Sendung im Hessischen Rundfunk. Am 25. Juni lief die letzte Folge von „c’t magazin“.

Einen anderen Umgang traut sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen offenbar eher im Digitalfernsehen zu, beispielsweise auf ZDFkultur. Das im Mai gestartete Spiele-Magazin „Pixelmacher“ richtet sich vorwiegend an eine jugendliche Zielgruppe. Die Mütze von Moderator Lukas Koch wirkte im Sommer zwar etwas bemüht. Aber immerhin zeugen die Berichte zum Beispiel von der „Role Play Convention“ von Sachkenntnis, das Klientel wird ernst genommen. Bei 23 Millionen Menschen, die sich in Deutschland von Computer- und Videospielen unterhalten lassen, könnte sich die Frage stellen, warum dies nicht im Muttersender möglich ist.

Die Antwort gibt die Sendung selbst: Panzerschlachten in London und multinationale Eliteeinheiten gegen russische Ultranationalisten, wie sie im Shooter „Call of Duty: Modern Warfare 3“ vorkommen, sind nicht Jedermanns Geschmack, auch wenn die „Pixelmacher“ das „stimmige“ Setting loben. Den klassischen ZDF-Zuschauer dürften diese Bilder eher beunruhigen.

Damit ist beim Internet-Ratgeber nicht zu rechnen. Der ARD-„Ratgeber Recht“, der zuvor auf diesem Sendeplatz lief, hatte zwischen 1,5 und zwei Millionen Zuschauer. Weniger sollten es mit dem neuen Ratgeber nicht werden.

„Ratgeber Internet“, ARD, 17 Uhr 03

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