Neue Dänen-Serie: "Die Erbschaft" : Heul doch

Schreien und Flüstern, Saufen und Kiffen: „Die Erbschaft“: eine neue, famose Dänen-Serie zum Glück und Unglück in Familien.

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Ums Erbe betrogen? Frederik (Carsten Bjørnlund, links), Emil (Mikkel Boe Følsgaard) und Gro (Trine Dyrholm).
Ums Erbe betrogen? Frederik (Carsten Bjørnlund, links), Emil (Mikkel Boe Følsgaard) und Gro (Trine Dyrholm).Foto: © DR/Martin Lehmann

Umfrage auf Umfrage weist nach, dass die Dänen zu den glücklichsten Völkern zählen. Ein wesentlicher Grund wird sein, dass in Dänemark mit die besten Serien produziert werden. „Borgen“, „Kommissarin Lund“, „Die Brücke“ natürlich, von solcher Art ist die weltweit „gelesene“ Fernsehprosa. Nimmt man die Kinoarbeiten der „Dogma 95“-Regisseure Lars von Trier oder Thomas Vinterberg hinzu, dann bietet diese Film- und Fernsehfiktion in ihrer Kunst-Keuschheit eine originäre Wirklichkeits-Aura.

Muss es da ein Widerspruch zum Dänenglück sein, dass in den Stoffen und Produktionen zumeist familiäres Unglück sein Zentrum findet? „Die Erbschaft“ jedenfalls, von heute an mit zehn Folgen im Arte-Programm, greift einen Konfliktpunkt auf, der stilbildend für das Gesellschaftskonstrukt „Familie“ ist. Die vier erwachsenen Kinder der renommierten Bildhauerin Veronika Grønnegard (Kirsten Olesen) kommen nach dem Tod der Mutter auf deren Anwesen zusammen.

Die entfremdeten Geschwister Gro (Trine Dyrholm), Frederik (Carsten Bjørnlund) und Emil (Mikkel Bøe Folsgard) treffen dabei auf ihre Halbschwester Signe (Marie Bach Hansen), die uneheliche Tochter der Künstlerin-Mutter.

Dänen sind glücklich?

Signe weiß, was die vier Kinder nicht wissen: Es gibt einen letzten Willen der Verstorbenen, der das Erbe auf Signe vereinigt. Die Brüskierung wird nach und nach offenbar, es wird dunkel und dunkler auf dem Hof, nicht nur die Brüder entdecken den Hamletprinzen in sich. Schreien und Flüstern, Saufen und Kiffen, fehlt da was, um die Egoismen zu transportieren, die Familiengeschichte zu dekonstruieren und neu zu konstruieren?

„Die Erbschaft“ ist eine Eigenproduktion des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders Danmarks Radio, geschrieben von Maya Ilsøe („Der Pakt“) und inszeniert von Pernilla August, früher Schauspielerin und seit ihrem prämierten Spielfilmdebüt „Bessere Zeiten“ 2010 gefragt für generationenübergreifende Regien. Pernilla August versteht sich als Dienstleisterin des Storytelling.

Dänemarks Schauspielstar Trine Dyrholm, bei der Berlinale 2016 für ihre Leistung in Thomas Vinterbergs Film „Die Kommune“ mit einem Silbernen Bären als „Beste Darstellerin“ ausgezeichnet, agiert als Gro und damit als jene Schwester, die sich am stärksten auf das Erbe kapriziert.

Sie will Signe von Veronikas lebenslanger Vision eines eigenen Museums überzeugen, was bedeuten würde, dass Haus, Hof und Kapital in die Museumsstiftung gehen müssten. Eine Vision, die von den Geschwistern nicht geteilt wird. Dyrholm zeigt eine Frau, die von der Matriarchin-Mutter gelernt hat.

Dänen sind glücklich? Weil sie Unglück mit solch formidablem Fernsehen erleben können.

„Die Erbschaft“, Arte, Donnerstag, ab 20 Uhr 15

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