Neue Fernsehtechnik : Unerfüllte Wünsche

Der HD-Probelauf zu Weihnachten findet bei Kabel Deutschland nicht statt – es geht ums Geld.

Kurt Sagatz
315257_0_e6dc13c4.jpg
Superscharfe Fernsehbilder in HD wird es für Kunden von Kabel Deutschland vorerst nicht geben. Foto: ddpddp

In vier Tagen ist Weihnachten. Doch statt neuer breiter Fernsehbilder in High Definition gibt es in vielen deutschen Fernsehhaushalten lange Gesichter. Dabei sah der Plan so verlockend aus: Um den Besitzern eines neuen Flachbildfernsehers mit passendem HD-Empfänger eine glückliche Fernsehweihnacht zu ermöglichen, wollen ARD und ZDF mit einem weiteren HD-Probelauf die Zeit bis zum Beginn des HD-Regelbetriebs zur Winterolympiade im Februar in Vancouver verkürzen. Die 9,1 Millionen Kunden von Kabel Deutschland werden allerdings nicht in den Genuss dieses Angebots kommen. „Wir verhandeln noch mit allen Marktteilnehmern, aber werden den HD-Showcase zu Weihnachten nicht anbieten“, bestätigte das Münchner Unternehmen am Freitag, „und wir wollen nicht verschweigen, dass es auch ums Geld geht.“

Der Satellitenbetreiber Astra ist auf dem Weg in die HD-Zukunft schon weiter vorangekommen. Bereits jetzt strahlen die zur RTL-Gruppe gehörenden Sender RTL und Vox ihr Programm via Astra zusätzlich in High Definition aus. Im Januar kommen Sat 1, ProSieben und Kabel eins hinzu, und auch dem Start des HD-Regelbetriebes von ARD und ZDF im Februar steht über das Astra-Satellitennetz nichts im Wege. Dabei haben auch die Satelittenhaushalte beim HD-Start mit allerlei Komplikationen zu kämpfen. Denn neben einem HD-Fernseher wird ein Empfänger benötigt, der die mit HD+ verschlüsselten Sendungen der Privatsender dekodiert. Die Auswahl an Dekodern ist dabei eher dürftig. Es gibt zwar Fernseher mit integrierten Dekodern, doch dafür fehlen noch die notwendigen Einschübe und die ebenfalls benötigten Module. Überdies stellt sich auch für die Astra-Kunden die Kostenfrage. Zwar werden ARD und ZDF in HD ohne zusätzliche Kosten und unverschlüsselt zu empfangen sein, die Privatsender bitten die HD-Zuschauer jedoch ab dem zweiten Jahr zur Kasse. 50 Euro müssen sie für den HD+-Luxus im Jahr berappen.

Diese Zusatzkosten will Kabel Deutschland den eigenen Kunden nicht aufbürden, begründet der Kabelnetzbetreiber seine Position in den seit langem andauernden Verhandlungen mit den Sendern. Die Kosten entstehen einerseits, weil das erheblich schärfere HD-Bild bei der Übertragung ein Mehrfaches an Bandbreite gegenüber der Standard-Definition-Übertragung benötigt. Laut Kabel Deutschland liegt der Bandbreitenbedarf beim Vierfachen. „Bei der Satellitenübertragung sind die Sender bereit, sich an diesen Mehrkosten zu beteiligen. Es ist nicht einzusehen, warum das im Kabel nicht so sein soll. Wir erwarten lediglich eine Gleichbehandlung“, sagte Kabel-Deutschland-Sprecherin Joyce Mariel dem Tagesspiegel. Wie sich das Unternehmen verhalten will, wenn die Sender bis zum HD-Regelbetrieb nicht von ihrer Haltung abweichen, konnte sie nicht sagen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir uns mit den Sendern über die Einspeisung der HD-Programme und die ökonomischen Kriterien einigen werden“, heißt die offizielle Sprachregelung.

Zum Problem wird dies für die Netzbetreiber unter anderem, weil bis zur Abschaltung der analogen Übertragung das gleiche Programm dreimal gesendet werden muss – analog, digital in herkömmlicher Auflösung und nun auch digital in HD. Dabei verhalten sich vor allem die Kunden von Kabel Deutschland sehr kostenbewusst. Dass die Digitalquote bei verhältnismäßig geringen 30 Prozent liegt – bei Astra sind es 70 Prozent – hat auch damit zu tun, dass der Digitalempfang bei Kabel Deutschland rund drei Euro teurer ist. Aber auch die etwas kompliziertere Technik und der Dekoder schrecken nach wie vor ab.

Kunden, die sich zur Zeit wegen des fehlenden HD-Showcases verwundert an Kabel Deutschland wenden, legt das Beschwerdemanagement übrigens die HD-Angebote des Pay-TV-Senders Sky nahe. Auch eine Art, Kunden halten zu wollen. Kurt Sagatz

0 Kommentare

Neuester Kommentar