Neue Intendantin in Leipzig : Wie Karola Wille den MDR aufmöbeln will

Karola Wille will den MDR zu einem modernen Sender machen. Allerdings haben sich Zuschauergewohnheiten ausgebildet, die nicht so leicht zu korrigieren sind.

von
Arbeitsplatz Leipzig. Karola Wille, Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks. Foto: MDR
Arbeitsplatz Leipzig. Karola Wille, Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks. Foto: MDRFoto: MDR/ Martin Jehnichen

Es gibt einen Sender in Deutschland, der macht das erfolgreichste dritte Fernsehprogramm und hat zugleich das mieseste Image. Das ist der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR). Der Erfolg kommt von einer Heimat-, sprich Ostalgiewelle im dritten Kanal. Das Image hängt mit dem Skandal beim Kinderkanal von ARD und ZDF zusammen, wo Betrügereien einen bis dato in der öffentlich-rechtlichen Geschichte nicht dagewesenen Schaden von 8,9 Millionen Euro anrichteten. Der Sender in Leipzig hat die Federführung für den Kika in Erfurt. Dann hat der MDR-Fernsehunterhaltungschef Udo Foht unlautere Geschäfte betrieben. Beides zusammen hat das Ansehen der Dreiländeranstalt für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beschädigt.

Karola Wille will das Image reparieren und den Erfolg sichern. Sie ist seit 1. November die Nachfolgerin von MDR-Gründungsintendant Udo Reiter. Zuvor war sie Justiziarin und stellvertretende Senderchefin und beides lange genug, dass die Skandale nicht nur an Reiter hängen bleiben konnten. Die 52-jährige Juristin ist auch deswegen mit einem so überzeugenden Ergebnis vom Rundfunkrat ins Amt gewählt worden, weil sie die bereits begonnene Aufklärung energisch weitergetrieben, wegweisende Prüfstrukturen beim Kika wie beim Muttersender MDR installiert hat.

„Wir haben jetzt intensive Kontrollmechanismen, scharfe Antikorruptionsklauseln, wir haben entsprechende EDV und mehr Personal“, sagte sie beim Pressegespräch in Leipzig zu „100 Tage Wille im Amt“. Die Revisoren würden geschult, insgesamt sollen die knapp 2000 fest angestellten und über 5500 freien Mitarbeiter das Thema mit hoher Sensibilität angehen. Vom MDR soll nie wieder ein Skandal auf deutschem Rundfunkboden ausgehen. Das große Bündel an generellen wie individuellen Maßnahmen ließ den Eindruck einer mäandernden Überwachungsbürokratie aufkommen. Wille trat dem entgegen, „unsere Strukturen sind jetzt einfach state of the art“.

Da zusammen mit Reiter wichtige Spitzenleute den MDR verließen, konnte Wille eine neue Führungsmannschaft aufbauen: Neuer Justiziar (Jens-Ole Schröder), neue Verwaltungschefin (Astrid Göbel), neuer Unternehmenssprecher (Walter Kehr), Fernsehdirektor Wolf-Dieter Jacobi und Betriebsdirektor Ulrich Liebenow erst seit kurzem im Amt, eigentlich ist nur Hörfunkdirektor Johann Michael Möller aus der Reiter-Garde übriggeblieben. Die Intendantin, die erneuerte Spitze, die Mitarbeiter stehen für die „Vision 2017“, die Wille dem MDR injizieren will (ihre Amtszeit läuft bis dahin). „Stimme des Ostens“ als Leitgedanke, wie zu hören war, wird keineswegs reichen, die Mitteldeutschen sind weiter, eine wachsende Zahl will längst nicht mehr als rückwärtsgewandter Ossi identifiziert werden. Gilt das auch für das MDR-Personal? Laut Wille gibt es „null Fluktuation“, erst die eine Hälfte sei auf dem Weg, die andere müsse sie noch mitnehmen.

Die Senderchefin wollte ihre Vision nicht im Detail ausbreiten, deutlich wurde jedoch, dass die öffentlich-rechtliche Anstalt eine überarbeitete Angebotsstrategie für Radio, Online und Fernsehen bekommen soll. Fünf länderübergreifende Wellen – Info, Figaro, Klassik, Sputnik, Jump – und drei Landesprogramme veranstaltet das Radio, wobei Jump und Sputnik sich beim Hören zum Verwechseln ähneln. Was da ansteht, wollte die Intendantin nicht konkretisieren, lieber sprach sie vom Fernsehen. Unter der Maßgabe „Keinen Zuschauer verlieren und neue gewinnen“ wird behutsam operiert. Die verlängerten Nachrichten um 18 Uhr würden gut und „Gott sei Dank“ von jüngerem Publikum angenommen (der MDR-Zuschauer ist mit 61 Jahren der jüngste bei den ARD-Dritten).

Auch die Dienstagsinitiative „Der Osten – Entdecke wo Du lebst“ (heißt wirklich so) funktioniere bereits. Knackpunkt ist die Unterhaltung. Mit der (geschlossenen) „Wernesgrüner Musikantenschänke“ und den nicht enden wollenden „Polizeiruf“-Wiederholungen hat das Fernsehen Erlebniswelten ausgebildet, die nicht ohne Verluste verändert werden können. Madeleine Wehle („Außenseiter – Spitzenreiter“) und Inka Bause sollen die U-Gesichter werden. „3 Wünsche frei mit Inka Bause“, bereits gestartet, ist kein schlagender Erfolg, der Vorgänger „Alles Gute“ war es. Ein Sonntagsformat, wo sich die Zuschauer via Petra Kusch-Lück einen schönen Lebensabend wünschen konnten; so schamlos spießig, dass sich selbst Häkeldeckchen zum Selbstaufdröseln entschlossen. „Bauer sucht Frau“-Star Inka Bause bekommt eine neue Musikshow. Am Freitag, den 13. April.

Autor

10 Kommentare

Neuester Kommentar