Medien : Neue Konkurrenz für RTL

Was die Fernsehbranche von Kirch-Media-Besitzer Haim Saban erwartet

Joachim Huber,Ulrike Simon

Von Joachim Huber

und Ulrike Simon

„Für uns ist die Saban Group als neuer Hauptaktionär ein Wunschpartner“, sagte Urs Rohner, Vorstandschef der Senderfamilie ProSieben Sat 1 am Montag. „Mit Haim Saban erhalten wir einen starken, überaus fernseherfahrenen Mehrheitsgesellschafter, der über exzellente Beziehungen im internationalen Film- und Fernsehgeschäft verfügt.“ Niemand kann Rohner vergällen, den neuen Eigentümer derart freundlich willkommen zu heißen. Fragt sich, ob er ebenso euphorisch reagiert hätte, wenn die Verlagsgruppe Bauer den Zuschlag bekommen hätte (siehe Wirtschaft, Seite 15). Schließlich hatte Bauer bereits signalisiert, von Rohner nicht ganz so viel zu halten. RTL-2-Chef Josef Andorfer soll sich deshalb bereits Hoffnung auf neue Aufgaben in Berlin gemacht haben. Haim Saban hingegen hatte sich im „Spiegel“ wohlwollend über den Schweizer Urs Rohner geäußert.

Bauer konzentriert sich nun wieder auf sein traditionelles Geschäft mit auflagenstarken Zeitschriften. Am Ziel, mit dem Fernsehen ein zweites Standbein aufzubauen, halte Bauer jedoch fest und warte auf die nächste Gelegenheit, sagte Verlagssprecher Andreas Fritzenkötter. Sabans Einstieg bei Kirch-Media wollte er hingegen nicht kommentieren: „Damit haben wir nichts zu tun“. Auf alle Fälle kann Bauer nun seine 31-Prozent-Beteiligung am profitablen RTL 2 behalten. Sie hätte sich beim Kauf der Kirch-Media als kartellrechtliches Problem erweisen können. Dies bedeutet aber auch, dass der Wunsch der RTL-Group, RTL 2 ganz zu besitzen, wieder in weite Ferne gerückt ist.

Nun mag die ProSieben-Sat-1-Gruppe von einem Schweizer und die RTL-Sender von einem Österreicher, Gerhard Zeiler, geführt werden. Beide gehören aber zu deutschen Medienkonzernen. Einen ausländischen Investor konnten sie bislang verhindern – und wussten dabei die deutsche Politik im Rücken. Nur Rupert Murdoch hatte, erst bei Vox, zuletzt bei TM 3, zwei jeweils sehr kurze Gastspiele. „Das kann kein Argument mehr sein“, sagte Jürgen Doetz, Präsident des Verbands Privater Rundfunk und Telekommunikation. Er räumte ein, dass mit einem Investor Silvio Berlusconi „es eine ganz andere Diskussion gegeben hätte“. Mit dem Geschäftsmann Saban habe der globale Wettbewerb bei Produktion und Rechtehandel den deutschen Fernsehmarkt endgültig erreicht.

Bei RTL heißt es, es sei noch zu früh, über den neuen Mitbewerber zu urteilen, da man nichts über das künftige Management und Programminvestitionen wisse. Da man selbst eine paneuropäische Gruppe ist, sei der RTL Group jeder Investor willkommen, unabhängig davon, ob es ein ausländischer ist oder nicht. Auch von Saban hört man, er sei am Aufbau eines paneuropäischen Sendernetzwerks interessiert. Während RTL davon ausgeht, dass Saban die Preisspirale beim Einkauf von Programmen nicht weiterdreht, da er zunächst Geld verdienen wolle, glaubt RTL-Gründer Helmut Thoma, „Saban wird vor allem in Eigenproduktionen investieren müssen, um die schwachen Profile von Sat 1 und Pro 7 zu stärken. Mit dem Imageträger Harald Schmidt und dem Verlustbringer Fußball ist es nicht getan.“ Nach der lähmenden Zeit der Insolvenzverwaltung sei es dringend notwendig, wieder ins Programm zu investieren. „Da kann es jetzt nur besser werden. Es muss Saban gelingen, die richtigen Leute und damit das richtige Programm zu finden, die in der Lage sind, die Sendergruppe wieder in Aufschwung zu bringen“. Saban sei „mittelfristig die größere Herausforderung für RTL“.

Auch ZDF-Intendant Markus Schächter erwartet vom „kraftvollen Programm-Mann Saban“ wesentliche Initiativen. Das „ganz neue Temperament“ wird die Sender seiner Gruppe in einen „spannenden Wettbewerb mit RTL positionieren“. Nach Schächters Meinung wird Saban „international erprobte Trendprogramme einsetzen – Spielshows, Comedy, Filme und Sport“. Auf jeden Fall werde mit dem neuen Investor das Parallelogramm des dualen Systems aus ARD, ZDF, RTL und Sat 1 wieder stabilisiert.

Der ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Jobst Plog sagte, „er kenne Haim Saban seit vielen Jahren als risikobereiten Kosmopoliten, aber auch als kühl rechnenden Kaufmann.“ Überhöhte Preise im Film- und Sportrechtehandel „wird er vermutlich nicht zahlen. Hier erwarte ich eine Normalisierung des Marktes.“ Plog glaubt nicht, „dass der Eigentümerwechsel den deutschen Medienmarkt tiefgreifend verändern wird“.

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