Medien : Neue Magazine beim ZDF: Sie schlagen zurück

M.B.

Die Öffentlich-Rechtlichen haben es derzeit nicht leicht. "Quoten-Idioten" werden sie gescholten und jede Veränderung wird der "Boulevardisierung" verdächtigt. Dementsprechend hatten nach der jüngsten Fernsehratsitzung Intendant Dieter Stolte, Chefredakteur Nikolaus Brender und der Vorsitzende des Fernsehrates, Konrad Kraske, bereits eine Verteidigungsposition eingenommen - sie wollten der Öffentlichkeit die künftigen Änderungen im ZDF-Programm schmackhaft machen.

Zunächst werden bekannte und beliebte Sendungen sterben. Ab 2001 wird es weder "Frontal" geben noch "Kennzeichen D". Die Gerichtssendung "Wie würden Sie entscheiden" wird ebenfalls eingestellt. Dass die Macher von "Kennzeichen D" diese Entscheidungen nicht mittragen, war Stolte klar. Es werde aber, so Kraske, einem Sender die Möglichkeit zur Innovation genommen, wenn man ihm sofort Boulevardisierung unterstelle, sobald es um die Verjüngung des Programms geht.

Kennzeichen D und Frontal werden durch ein "gesamtdeutsches Politikmagazin" ersetzt.Geleitet wird die Sendung nach altem "Frontal"-Muster von zwei TV-Persönlichkeiten, die sich in ihren politischen Anschauungen widersprechen. Bodo Hauser und Ulrich Kienzle werden zu "Late Show"-Moderatoren und damit Harald-Schmidt- Konkurrenten mutieren. Einmal die Woche sollen sie in "Reißwolf" die Kritiker der Printmedien spielen und das Prinzip der Fernsehkritik gegen die Zeitungen anwenden. Die "Quoten-Idioten" schlagen also zurück. Gegen den Verdacht der Boulevardisierung wandten sich Stolte und Brender auch mit dem Hinweis auf ein neues Magazin namens "ZDF-Reporter", das künftig jeden Mittwoch um 21 Uhr ausgestrahlt werden soll. Mit den Moderatoren Steffen Seibert und Peter Kunz soll dort vor allem "deutsche Wirklichkeit" (Stolte) vermittelt werden. Bei soviel gutem Willen zum Seriösen erstaunte ein wenig die Tatsache, dass die Reihe "Wunderbare Welt" durchgängig durch Showprogramme ersetzt werden soll. Bereits im November soll ein "Wissensquiz" mit Ulla Kock am Brinck die Deutschen Naturwissenschaften lehren.

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