Medien : Neue Mütter hat das Land

Barbara Nolte

Fangen wir mit einer Typologie an. Es gibt zwei - grundverschiedene - Typen von Frauen. Diejenigen, die "Dallas", und die, die "Lindenstraße" sehen. Die "Dallas"-Fraktion sucht so was wie eine Gegenwelt, die große Liebe, das große Geld, das große Abenteuer, sie sucht ein bisschen Glanz, auch wenn es falscher Glanz ist. Und vielleicht kommt ja doch eines Tages Bobby Ewing vorbeigeritten und nimmt einen mit. Die "Lindenstraße"-Fraktion findet ihr Leben, wie es ist: ganz gut so. Sie hat einen Okay-Mann und einen Okay-Job, und in den Fernseher schaut sie wie in eine Art Spiegel. Das Prinzip "Lindenstraße" - als hätte man in Nachbars Wohnzimmer Webcams eingebaut.

Die Zeitschrift "Mom" ist die "Lindenstraße" unter den Frauenmagazinen. Gruner + Jahr verkauft sie ab heute für vier Mark in Hessen - als Markttest. "Mom" ist eine Zeitschrift für Mütter, die sich gut gefallen mit ihrem Kinderwagen, mit ihren neuen flachen Schuhen und ihrem Einkaufskorb voller Joghurts mit rechtsdrehenden Aminosäuren. "Frauen wollen heute Freude an ihrem Kind haben, aber auch am Frausein", erklärt Andreas Lebert, Ex-Chef des "SZ-Magazins". Er ist Erfinder und Herausgeber von "Mom". Mütter, die in stillem Protest gegen ihre Rolle in Stilettos auf den Spielplatz stöckeln und dort, sagen wir, George Clooney nachträumen, sind in "Mom" seltener. Die würden sowieso "Cosmopolitan" lesen. Die Zeitschrift, die das schöne Märchen von der Frau als Männer mordendes Monster erfunden hat. Aber diese Frauen zählen sowieso zur "Dallas"-Fraktion.

Das "Lindenstraßen"-, also das "Mom"-Prinzip ist sicherlich das journalistischere. In der Zeitschrift sind viele Reportagen. Detailgenau geschrieben, ohne Schönfärberei: Da berichtet eine DJane aus Berlin, dass sie ihrer Tochter zuliebe ihre Nachtschichten in Clubs gegen einen Acht-Stunden-Job in einer Booking-Agentur eingetauscht hat. Unter der Rubrik "Star-Moms" erzählt eine gute Freundin von Madonna, wie sich die Pop-Sängerin seit der Geburt ihrer Tochter verändert hat. Und ein Unternehmensberater bewertet den Alltag einer Mutter nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten. Das Spektrum von "Mom" reicht von künstlicher Befruchtung bis zur Rolle der Frau, wie sie im Koran steht; es reicht von Mode-Tipps bis zu einem Spiel, bei dem es eine Haushälterin für ein Jahr zu gewinnen gibt. Was nicht vorkommt, sind Artikel, die die Mutterrolle auch mal ein bisschen skeptisch sehen. Selbst der Unternehmensberater sagt: "Managern rate ich zu einem Praktikum bei einer Mutter."

Andreas Lebert hat ein sehr klares Bild seiner Leserinnen: Sie seien humorvoll und pragmatisch. "Die Mütter von heute wollen von den ideologischen Debatten der 70er, 80er und 90er nichts mehr wissen." Aber der Titel: "Mom" - sind sie wirklich so pragmatisch, dass sie einfach als das bezeichnet werden wollen, was sie sind?

"Die Bedenken gegen den Namen hatten die Teilnehmerinnen der Marktforschung nicht", sagt der Verlagsgeschäftsführer von Gruner +Jahr, Volker Breid. In Gruppendiskussionen hat der Verlag "Mom" bewerten lassen. Da sei die Zeitschrift "sehr gut" angekommen. Wenn also die Marktforschung ihr Geld wert war und tatsächlich so viele Frauen das Magazin kaufen, wie die Tests voraussagen, dann kommt "Mom" im nächsten Frühjahr in ganz Deutschland heraus.

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