Neue Plattform : Allein gegen Apple

Telekom startet mit PagePlace einen eigenen Kiosk

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Mobile Leselust: Telekom-Chef René Obermann zeigt Kanzlerin Angela Merkel den neuen Online-Kiosk. Foto: dapd
Mobile Leselust: Telekom-Chef René Obermann zeigt Kanzlerin Angela Merkel den neuen Online-Kiosk. Foto: dapdFoto: dapd

Fast wäre aus der Präsentation nichts geworden, doch nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Cebit-Rundgang am Dienstag nach der Unterbrechung wegen des Guttenberg-Rücktritts wieder aufgenommen hatte, konnte ihr Telekom-Chef René Obermann doch noch das jüngste Projekt seines Konzerns vorstellen: den Zeitungs-, Zeitschriften- und Buchkiosk PagePlace. Mit PagePlace will der Bonner Konzern die unterschiedlichsten Mediengattungen auf mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablet-PCs bereitstellen. Ein Geschäft, das bislang vor allem von einem Unternehmen dominiert wird: Apple mit seinen iPhones und iPads. „Mit einem Klick haben Sie Zugriff auf 40 000 Bücher, 450 Magazine und 20 Tageszeitungen“, erklärte Obermann das neue Apple-Konkurrenzprodukt, das über www.pageplace.de zu erreichen ist.

Die nötigen Apps für PagePlace, das derzeit nur in einer vorläufigen Beta-Version zu nutzen ist, gibt es für iPhone und iPad und Windows-Computer. Applikationen für Android-Tablets und Mac-Computer sollen im April folgen. Gekaufte Titel können auf bis zu fünf Endgeräten gelesen werden. Bei den Zeitungen gehören zur Zeit unter anderem „Süddeutsche Zeitung“, „Zeit“, „Handelsblatt“, „Stuttgarter Nachrichten“, „Schwarzwälder Bote“ und Titel des WAZ-Konzerns („WAZ“, „Westfalenpost“, „Westfälische Rundschau“) dazu. Abschlüsse mit weiteren Verlagen stünden kurz bevor. Die Preise liegen auf dem Niveau der gedruckten Auflage. Für die „Süddeutsche“ werden unter der Woche zum Beispiel genau wie am stationären Kiosk zwei Euro verlangt. In der Zeitschriftenauslage liegen unter anderem „Wirtschaftswoche“, das Stadtmagazin „Prinz“ und das Frauenmagazin „Für Sie“. Für den Buchbereich kooperiert die Telekom auch mit der E-Book-Plattform Libreka, die das zentrale E-Book-Angebot der deutschen Verlage bereitstellt. Zeitungen und Zeitschriften werden im PDF-Format angeboten, Bücher im universellen ePub-Format.

Die wichtigste Plattform für das mobile Lesen von Zeitungen und Zeitschriften ist derzeit das iPad. Die dazu gehörigen Anwendungen beziehen iPad-Nutzer über den App-Store von Apple, das lassen sich die Kalifornier pauschal mit einer Umsatzpauschale von 30 Prozent bezahlen. Die hohe Beteiligung sowie Apples Kontrolle über die Kundendaten der Medien-Abos sind für die in den Zeitungs- und Zeitschriftenverbänden BDZV und VDZ organisierten Verlage ein Dauerärgernis. Auch das von Google gestartete Abrechnungsverfahren „One Pass“ mit Medien-Apps für die zahlreichen angekündigten Tablets mit Googles Betriebssystem Android stellt nach Ansicht der Verbände keine schnelle Hilfe dar. Google verlangt für seine Abrechnung zwar nur zehn Prozent, bis genügend Android-Tablets verkauft worden sind, wird es nach Einschätzung von Marktbeobachtern aber noch mindestens ein Jahr dauern.

Die Idee für PagePlace ist interessanterweise älter als das erst im vergangenen Jahr vorgestellte iPad von Apple. Die Domain zu PagePlace.com hat die Telekom bereits im November 2007 registriert. Die Telekom sieht ihre Rolle darin, die Verlage bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle zur Vermarktung ihrer Inhalte zu unterstützen. Vor allem bringe die Telekom „ihre enorme Kundenbasis von 24,7 Millionen Festnetzkunden und 34,7 Millionen Mobilfunkkunden in Deutschland“ mit ein. Die Bezahlung der Inhalte erfolgt über Telekom-Rechnung, den Online-Bezahldienst ClickandBuy, Paypal oder per Kreditkarte.

Von den Verbänden wird der Telekom-Kiosk begrüßt. Anders als andere Plattformen behalten die Verlage bei dieser Lösung den direkten Draht zu den Lesern. Zur Höhe der Umsatzbeteiligung wurde allerdings Stillschweigen vereinbart. Kurt Sagatz

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