Neue Saison : Wanderhuren

„Freu’ mich, wieder hier dabei sein zu dürfen“: Die Pro Sieben Sat 1-Gruppe stellt ihr neues Programm vor, und Harald Schmidt lästert über Thomas Gottschalk.

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Gottschalk im Ersten? Wird nichts. Harald Schmidt schaute in die TV-Zukunft. Foto: dpa
Gottschalk im Ersten? Wird nichts. Harald Schmidt schaute in die TV-Zukunft. Foto: dpaFoto: dpa

Mindestens zwei Schlüsse lässt die „ProSieben Sat 1 Summertime“, bei der die Sendergruppe in München ihr Programm für die nächste Saison vorstellte, zu: Auch den Privatfernsehmachern fällt nicht viel Neues mehr ein. Und: Das Ganze lässt sich oft am besten mit Ironie vertragen. Dafür ist Neuzugang Harald Schmidt der richtige Mann, und wer den Entertainer schon mal auf einer großen Programmpräsentation erlebt hat, kennt dieses Gefühl, dass das hier eigentlich alles gar nicht so schlecht sei.

Zunächst zu Schmidts neuem, altem Sender. Mit Harald Schmidt sowie Neuauflagen von „Stars auf Eis“, „Promi-Boxen“, „Bitte melde dich“ oder „Die dreisten Drei“ setzt Sat 1 in der nächsten Saison auf den Retro-Trend. Schmidt wird erstmals am 13. September bei Sat 1 zu sehen sein und muss dann zwei Mal die Woche dienstags und mittwochs auf dem Sendeplatz um 23 Uhr 15 ran, deutlich später als in der ARD. Für 70 Sendungen soll Schmidt laut „Manager Magazin“ 8,4 Millionen Euro kriegen. „Ich freu’ mich, wieder hier dabei sein zu dürfen“, sagte Schmidt am Mittwochabend. „Ich bin stolz darauf, seit 16 Jahren für diesen Sender zu arbeiten; stolz darauf, in dieser wanderhaften Zeit keine von diesen medialen Wanderhuren zu sein, die ständig bei neuen Sendern andocken.“

Einen neuen Sender hat Katarina Witt. Sie moderiert „Stars auf Eis“, wie schon 2006 und 2007 beim Schwesternsender Pro Sieben, dessen Programm in der kommenden Saison auf bekannte Serien-Stärken setzt: „Desperate Housewives“, „Grey’s Anatomy“ oder „Stromberg“, zwei neue Steven-Spielberg-Mehrteiler, dazu vor allem noch „Unser Song für Baku“ und Heidi Klums „Topmodels“.

Sat 1 versucht sich auch wieder an Castingshows, obwohl der Sender in dieser Hinsicht mehrmals auf Grund lief. „The Voice of Germany“ wird allerdings mit den Castingshow-erprobten Kollegen von Pro Sieben geteilt. Mit Schmidt zurück ins Privatfernsehen kehrt nach zehn Jahren Linda de Mol. Bei der Show „The Winner is…“ sollen 64 Sänger die Chance erhalten, ihre außergewöhnliche Stimme unter Beweis zu stellen. Neu ist auch die Gameshow „You deserve it“, in der Kandidaten nicht für sich spielen, sondern für einen Menschen, der aus ihrer Sicht den Gewinn verdient. Neue Folgen gibt es von der „Perfekten Minute“ sowie Kerners „Großem Allgemeinwissensquiz“. Im fiktionalen Bereich setzt Sat 1 weiter auf die Serien „Danni Lowinski“ und „Der letzte Bulle“, die jeweils in die dritte Staffel gehen, dazu eine Neuauflage von „Wolffs Revier“ unter dem Titel „Wolff - Zurück im Revier“ und „Die Mangold & Lucy Palm“, eine Serie mit Anja Kling und Britta Hammelstein. Zu loben ist die Tatsache, dass der Bällchensender auch 2011/2012 für seinen Dienstags-Sendeplatz so viele deutsche TV-Movies produzieren lässt wie kein anderer Privatsender. Dabei darf sich Alexandra Neldel in der „Rache der Wanderhure“ üben. Apropos Bällchen. Mit der Fußball Champions League und Euro League geht Sat1 in die letzte Spielzeit, bevor hier das ZDF übernimmt.

Sat1-Chef Andreas Bartl sieht seinen Sender „so aufgestellt wie seit Jahren nicht mehr“. RTL-Chefin Anke Schäferkordt gab am Dienstag bei der Programmpräsentation des Kölner Privatsenders zu, dass kaum etwas Neues riskiert werden müsste, um die Marktführerschaft zu halten. In vielen Bereichen gehe es darum, das Erreichte zu halten. Man kann es auch mit Harald Schmidt sagen. Nach einem Gag zu Thomas Gottschalk, der bei der ARD scheitern dürfte, ging er bei der Präsentation zum Sat1-Programm über: zu „,Die Wochenshow’, ,Genial daneben’ und wie sie alle heißen diese neuen, riskanten Konzepte, die man auf den Markt loslässt.“Markus Ehrenberg

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