Medien : Neue Spieler, neues Glück?

Murdoch übernimmt bei Premiere, die Bundesliga kann davon profitieren

Joachim Huber

Auf gute Nachrichten wartet die Deutsche Fußball Liga (DFL) so ungeduldig wie Kinder auf Weihnachten. Noch immer befindet sich die Vereinigung der Profiklubs in der Schockstarre, in die sie die Vorgabe des Bundeskartellamtes versetzt hat, dass die Bundesliga-Fernsehrechte nur mit zeitnaher Verwertung im Free-TV vermarktet werden dürfen. Das hat die freudige Erwartung auf mindestens 500 Millionen Euro TV-Erlöse ab der Saison 2009/2010 rapide gesenkt. Diese Summe hatte der Vermarktungspartner, die Sirius Sport Media, garantiert. Jetzt hat das Kirch-Unternehmen selbst mit internen Problemen zu kämpfen. Der Vorgang, dass Geschäftsführer Dejan Jocic auf eigene Rechnung als Rechtehändler agiert hat, wurde zwar aufgedeckt, Jocic musste gehen – aber der Ruf des DFL-Partners ist wenigstens eingetrübt.

Und dann die Nachricht vom Mittwochabend: Beim wichtigsten Fernsehkunden der DFL, dem Pay-TV-Sender Premiere, geht Vorstandschef Michael Börnicke. Premiere zahlt derzeit mit rund 250 Millionen Euro den Löwenanteil an den 420 Millionen Euro TV-Einnahmen der Eliteliga. Ohne Fußball-Bundesliga kann Premiere nicht existieren, so wenig wie die Liga ohne Pay-TV-Gelder. Der Abschied von Börnicke, der nur ein Jahr Premiere geführt hat, geht mit dem Einstieg von Mark Williams einher. Das ist für Premiere wie für die DFL eine gute Nachricht. Williams kommt aus der Mitte des Medienkonzerns News Corporation von Rupert Murdoch. News Corp ist dank 25,1 Prozent Großaktionär mit Sperrminorität bei Premiere. Murdoch und Williams, schon im Aufsichtsrat des Pay-TVSenders vertreten, scheinen mit der Entwicklung von Premiere unzufrieden zu sein. Rote Zahlen, das immer noch ungelöste Problem der zahlreichen Premiere-Schwarzseher, verschwommene Aussichten auf Wachstum und Rentabilität.

Die Probleme sind erkannt, und der Neuseeländer Williams nimmt sie an. Premiere-Sprecher Torsten Fricke sagte dem Tagesspiegel, der neue CEO habe sich am Donnerstag Management und Mitarbeitern vorgestellt und die Prioritäten für die nächsten Monate benannt. Dazu zählte, sich die TV-Rechte für die Fußball-Bundesliga zu sichern, die Probleme bei der Verschlüsselung des kostenpflichtigen Programms zu lösen und neue Wege für Wachstum zu finden. Was das für Programm, Abo-Struktur und Preisgestaltung bedeutet, konnte Fricke nicht sagen: „Dazu ist es noch viel zu früh.“

Die Stimmung bei den Premiere-Mitarbeitern in München-Unterföhring war nach dem überraschenden Wechsel an der Unternehmensspitze durchaus gut. „Williams ist nur insofern eine Interimslösung, als dass er so lange bleiben will, bis die Probleme des Senders gelöst sind“, sagte Fricke. Der neue Premiere-Chef hat bislang als Finanzvorstand Europa und Asien der News Corporation sowie als Mitglied der Geschäftsführung des Satelliten-Senders Sky Italia (der ebenfalls zum Murdoch-Reich gehört) gearbeitet. Diese Funktionen lässt Williams für seine neue Aufgabe in der Unternehmenszentrale von Premiere ruhen. Der Optimismus der Sender-Mannschaft rührt übrigens aus den Sky-Italia- und weiteren Pay-TV-Erfolgen von Mark Williams. Beim italienischen Abo-Sender war ihm die Lösung der Hacker-Problematik wie auch die Verdoppelung der Abonnenten-Zahlen gelungen. Wichtige Botschaft für Mitarbeiter, Kunden, Geschäftspartner und Börse: Rupert Murdoch ist jetzt nicht mehr nur Aktionär von Premiere, er ist jetzt drin im Unternehmen, er glaubt an die Zukunft von Pay-TV in Deutschland. Die Aktie reagierte mit leichten Aufschlägen.

Mit dem Murdoch-Williams-Engagement wurden alte Spekulationen wieder neu belebt. Beobachter halten es nicht für ausgeschlossen, dass Premiere der DFL den Direktkauf der Pay-TV-Rechte anbieten könnte. Das würde Sirius ins Abseits stellen, für Murdoch eine süße Vorstellung, hat er doch beim Untergang des Leo-Kirch-Imperiums selbst etliche Millionen verloren. Murdoch wird alles andere als gewillt sein, Kirch via Bundesliga-Vermarktung neue Murdoch-Millionen in die Taschen zu schieben. Heißt: Premiere könnte sich mit der Deutschen Fußball Liga auf Kosten von Kirch einigen wollen. Für die Liga muss das keine schlechte Nachricht sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben