Neue Staffel der Pro-7-Serie : "Welche Frau lässt sich von Stromberg beschlafen?"

Christoph Maria Herbst spricht im Interview über die fünfte Staffel der Büroserie, Klobrillenbärte, Karriereleitern und die richtigen Zuschauer.

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Den machohaften Soziallegastheniker Bernd Stromberg spielt Christoph Maria Herbst in der Pro-7-Serie „Stromberg“. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Fernsehpreis. Am Dienstag startet die fünfte Staffel (22 Uhr 10). Foto: Pro7
Den machohaften Soziallegastheniker Bernd Stromberg spielt Christoph Maria Herbst in der Pro-7-Serie „Stromberg“. Sie wurde...

Wie war es, nach zwei Jahren wieder in die Rolle des Bernd Stromberg zu schlüpfen?

Es war eine große Freude, gewissermaßen wie Nachhausekommen. Sich wieder der Haare zu entledigen, die man sich mühsam hat wachsen lassen, ist immer ein Schlachtfeld. Den Mittelteil herauszufräsen, das macht meine Maskenbildnerin mit zunehmender Begeisterung. Ich selbst muss dann schauen, dass ich mir sechs Wochen vor Drehbeginn wieder diesen fürchterlichen Klobrillenbart wachsen lasse, und stelle in der Zeit dann fest, wie ich immer mehr zum gesellschaftlichen Paria mutiere und sich die Leute wie durch so einen pawlowschen Reflex von mir abwenden.

Und die Dreharbeiten? Sie sagen, Sie stehen am Set sehr unter Strom?
Ja, doppelt und dreifach. Das ist der Tatsache geschuldet, dass Stromberg in fast jedem Bild zu sehen ist und die Szenen führt. Und er hat halt das Mundwerk und das Hirn eines Gebrauchtwagenhändlers und redet ohne Unterlass. Die Texte möchte ich nicht nur aufsagen, sondern gestalten, und mindestens das denken, was ich da sage. Diese mentale Wachheit kostet die größte Energie.

Inwiefern?
Physisch laugt mich das nicht aus, man steht ja meistens nur rum, trinkt Kaffee, redet dummes Zeugs. Es ist die geistige Wachheit, die mich Kalorien verbrennen lässt. Ich will aber auch nicht verhehlen, dass es mich dieses Mal noch mehr angestrengt hat als in den früheren Jahren. Das liegt wohl daran, dass auch ich inzwischen 45 bin. Als wir mit Stromberg angefangen haben, war ich 38. Wie wir alle wissen, stellt sich der Stoffwechsel ab 40, 42 doch deutlich um, was auch der Papa merkt, um mal im strombergschen Idiom zu reden. Da muss ich die eine oder andere Mittagspause schon zum Powernappy nutzen.

Haben Sie sich in den Jahren als Stromberg-Schauspieler verändert?
Zur Vorbereitung der fünften Staffel habe ich mir die eine oder andere Folge aus der ersten wieder angeschaut. Und da fiel mir auf, mit welch unglaublicher Zurückhaltung, welcher Unschuld und fast schon Demut wir damals unsere Figuren gespielt haben. Inzwischen kann man schon sagen, dass wir auf diesen Figuren mit breitem Hintern sitzen. Wichtig ist, dass man nicht anfängt, die Figuren vorzuführen und mit einem Augenzwinkern sagt: Ich zeig’ euch mal, was ich mit der alles machen kann. Man muss nach wie vor hinter die Figur zurückzutreten. Dass das gelingt, liegt daran, dass wir alle aus dem gleichen Stromberg-Geist schöpfen und uns am Set gegenseitig befruchten. Das ist auch ein Geheimnis des Erfolgs.

Was erwartet die Zuschauer in der fünften Staffel?
Ich darf natürlich nicht zu viel verraten. Was ich aber sagen kann, ist, dass wir in Staffel vier erzählt haben, wie ein Mann seinen Weg nach unten geht, als er in die Pampa strafversetzt wurde. Sie endet damit, dass er wieder auf seinem alten Platz landet. Jetzt darf man dreimal raten, was man hierarchisch noch erzählen kann. In der Horizontalen weiterzumachen, hätte keinen allzu großen Unterhaltungswert. Also gibt es eigentlich ja nur noch die Möglichkeit, dass er sich hochschläft. Da bleibt kein Auge trocken, wenn wir allein darüber nachdenken, welche Frau in Führungsposition sich darauf einließe, von einem Stromberg beschlafen zu werden, damit er die Karriereleiter hochfällt.

Gibt es mittlerweile die Angst vor Wiederholungen bei „Stromberg“?
Bei mir gar nicht, weil ich glaube, dass „Stromberg“ auch von diesem Wiederholungseffekt, diesem „Hamwerdochschonmalgesehen“, letztlich von dieser Ödnis lebt. Die Frage, ob wir etwas anders machen sollen, haben wir uns am ersten Drehtag gestellt, wo ich auf einmal sah, wie unser Kameramann und unser Regisseur in eine komplett andere Ecke des Großraumbüros gingen und sagten: „Wir wollen einfach mal was anders machen.“

Und was kam dabei heraus?
Wir haben dann darüber diskutiert, ob es Sinn macht, etwas anders zu machen nur um des Andersmachens willen, und haben schnell festgestellt, dass es das nicht sein kann. Also, im Endeffekt alles wie immer, aber eben doch neu.

Wird sich die fiese Socke Stromberg in irgendeiner Form verändern?
Stromberg hat ja viele Facetten: Er darf sich verlieben, scheiden lassen, denken, er hat Krebs, was sich als Alterswarze herausstellt. Gewisse Grundzüge bleiben natürlich: Er wird nach wie vor der latent fremdenfeindliche, machohafte Soziallegastheniker bleiben. Alles andere wäre auch nicht lustig. Ralf Husmann hat wieder wunderbare Drehbücher geschrieben. Wo ich immer glaube, dass alles auserzählt ist, und mich frage, was man in diesem kleinen Versicherungskosmos noch machen will, da ist sein Hirn gottseidank krank genug, um sich immer wieder neue großartige Momente auszudenken.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Regisseur Arne Feldhusen, der auch seit der ersten Staffel dabei ist?
Anfangs haben wir immer noch viel überlegt und besprochen, inzwischen wechseln wir nur noch Blicke. Da weiß ich dann genau, wo mir die Figur weggerutscht ist, welchem Satz ich noch einen anderen Effekt geben muss, wo ich es zu lustig gespielt oder ein Pointe nicht genug bedient habe. Wir machen im Schnitt 10 bis 15 Takes, nicht 70 wie bei Loriot, aber immerhin. Und das hat immer einen Grund.

Und zwar welchen?
Diese scheinbare Willkür, mit der wir erzählen, bedarf einer minutiösen Choreografie. Oft sieht man ein Geschehen nur am Rande, wenn etwa eine Person abgeschnitten ist, und das soll genau so sein. Das ist die hervorragende Kameraarbeit von Johannes Imdahl, der auch seit der ersten Staffel dabei und wie ein weiterer Schauspieler am Set ist.

Bei der vierten Staffel war die Quote mit 17 Prozent Marktanteil richtig gut. Was meinen Sie, wie das weiter geht?
„Stromberg“ soll eine mit Brokat ausgeschlagene Nischenschublade bleiben und nie zum großen Ikea-Billy-Regal werden. Das wird’s aber auch nicht, dazu ist es zu speziell. Mir war immer wichtig, dass die richtigen Leute zuschauen – und nicht die meisten. Auch der Sender weiß, was er an Stromberg hat, nämlich ein Filetstück.

Wie sieht es mit den Plänen für einen Kinofilm aus?
Ich glaube fest daran. Jetzt kommt die fünfte Staffel, dann der Film. So kann man den Sack besser zumachen und im Kino noch ein paar Bomben landen. Produzent Ralf Husmann, der der Zurückhaltendste und Skeptischste von allen ist, sieht gute Chancen, dass wir 2012 einen Kinofilm drehen. Wir alle stehen zur Verfügung, und es wäre natürlich ein Ereignis, wenn wir es schaffen würden, dass eine deutsche TV-Serie den Sprung auf die Leinwand schafft. Bereits jetzt treffen sich die Leute ja manchmal mit einem Kasten Bier, um zwei Staffeln von „Stromberg“ hintereinander anzuschauen. Im Kino kann dieses gemeinschaftliche Gucken zu einem noch größeren Ereignis werden.

Das Gespräch führte Simone Schellhammer.

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