Neue Staffel : Sei schlauer, geh’ zum Bauer

Inka Bause verkuppelt wieder einsame Landwirte. Dass die Serie ähnliche Rekordquoten wie in den letzten Folgen erzielt, ist wahrscheinlich.

Sonja Pohlmann

Mit ihrer Mutter hat Inka Bause bereits einen Plan für den vermeintlichen Notfall ausgearbeitet. Verliebt sie sich in einen Bauern, muss ihre Mutter sofort die Polizei rufen und sie vom Hof holen, sagte Inka Bause einmal. Als Großstadtkind könnte sie auf dem Land nicht dauerhaft glücklich werden.

Diese Abneigung hindert Bause, in Leipzig geboren und heute in Berlin lebend, allerdings nicht daran, ein Dirndl anzuziehen, durch Schweineställe zu laufen und Single-Frauen darin zu bestärken, sich in einsame Landwirte zu verlieben. „Bauer sucht Frau“ heißt die Doku-Soap, die Inka Bause, 39, moderiert. Am heutigen Montag startet auf RTL die vierte Staffel – und dass die Serie ähnliche Rekordquoten wie in den letzten Folgen erzielt, ist wahrscheinlich. 7,54 Millionen Zuschauer hatten bis zum Finale im Dezember 2007 durchschnittlich eingeschaltet, als der schwergewichtige Maik Sabine das Melken beibrachte und der bayerische Bruno mit Anja turtelte. Unter all den Kuppel-Shows, die in der Post-„Herzblatt“-Ära im deutschen Fernsehen laufen, ist „Bauer sucht Frau“ damit das erfolgreichste Format. Im Vergleich: „Gräfin gesucht“, der im Sommer ausgestrahlte „Bauer“-Abklatsch auf Sat 1, erreichte durchschnittlich nur 2,48 Millionen Zuschauer.

Doch was fasziniert die Menschen daran, wenn Männer wie der „attraktive Schweinebauer“ Torsten, der „rüstige Hühnerwirt“ Hansi und der „gemütliche Getreidebauer“ Georg ihre Traumfrau suchen? Bei vielen Zuschauern dürfte das einerseits ein zwiespältiges Gefühl zwischen Faszination und Fremdschämen auslösen, etwa wenn sich wie zuletzt Bauer Furthi über die Gefühlslosigkeit seiner Auserwählten im Umgang mit dem Trecker aufregt, während diese sich vor den „Kackschwänzen“ der Kühe ekelt. Andererseits „reizt der Blick in die Welt der Landwirte, die für viele Zuschauer exotisch ist“, sagt Uwe Kamman, Direktor des Adolf-Grimme-Instituts. Für einige Leute sei die Doku-Soap „eine Flucht in ein einfaches und bodenständiges Leben, das sie sich insgeheim manchmal selber wünschen. „Bauer sucht Frau“ war 2008 sogar für den renommierten Medienpreis seines Instituts nominiert.

Mit „Bauer sucht Frau“ schaffte Bause auch im Westen endgültig den Durchbruch. In der DDR ist sie früh ein gefeierter Star gewesen: 1985 als „jüngste Popsängerin“ bekannt geworden. Inka Bause gewann Preise, moderierte Fernsehsendungen – bis die Wende kam und ihre Karriere vorerst ausbremste: „Die Menschen im Westen kannten mich nicht und die aus dem Osten wollten mich nicht mehr hören“, sagte sie kürzlich. Zehn Jahre musste sie warten, bis sie 2001 mit „Florian“ dann in Gesamtdeutschland als Sängerin bekannt wurde.

RTL hat Inka Bause jetzt zwei Jahre lang exklusiv als Moderatorin unter Vertrag genommen. Bei „Unser neues Zuhause“ half sie Kandidaten eine Wohnung zu suchen, neulich führte sie durch die „100 000 Euro“-Show, die erneut im Dezember läuft, mit „Papa gesucht“ ist eine weitere Kuppel-Show in Planung und mit „Mein Papa ist besser als dein Papa“, könnte sich ihr großer Wunsch erfüllen, eine Samstagabendshow zu moderieren. Zurzeit schippert sie auf dem Schwarzen Meer, um ausnahmsweise fürs ZDF eine „Traumschiff“-Folge zu drehen – ganz ohne Stallgeruch. Sonja Pohlmann

„Bauer sucht Frau“, RTL, 21 Uhr 15

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