Neue Staffel von "Akte X" : Die Wahrheit, da draußen

Vor 13 Jahren wurde "Akte X“ geschlossen. Jetzt geht es in alter Besetzung weiter. Der Fantasie der Zuschauer wird in den neuen Folgen wenig zugetraut

von
Nach neun Staffeln und zwei Filmen arbeiten die Ex-FBI-Agenten Dana Scully (Gillian Anderson) und Fox Mulder (David Duchovny) erneut zusammen in „Akte X“. Doch kommen sie sich auch menschlich wieder näher?
Nach neun Staffeln und zwei Filmen arbeiten die Ex-FBI-Agenten Dana Scully (Gillian Anderson) und Fox Mulder (David Duchovny)...Foto: ProSieben

Die junge Frau sieht nicht aus wie eine durchgeknallte Ufologin. Doch was Sveta (Annet Mahendru) erzählt, ist starker Tobak: Aliens haben sie demnach entführt, mit ihr medizinische Versuche angestellt und sie als Leihmutter für außerirdische Babys missbraucht, berichtet sie Fox Mulder (David Duchovny) und Dana Scully (Gillian Anderson). Mit außerirdischen Phänomenen kennen sich die beiden Ex-Agenten aus, schließlich waren sie bis zum Jahr 2002 die Hüter der X-Akten, wie die unheimlichen Fälle des FBI in der Serie „Akte X“ hießen. Svetas Schilderung ist jedoch frisch, sie stammt aus der ersten Episode der neuen Staffel von „Akte X“, die am Montag auf ProSieben beginnt. In den USA ist die zehnte Staffel der erfolgreichen Mystery-Serie aus den 1990er Jahren vor gut zwei Wochen gestartet, 16 Millionen Zuschauer schalteten die Fox-Produktion ein.

Serie setzt an, wo sie vor 13 Jahren aufhörte

Sechs Folgen umfasst die Mini-Serie, die dort ansetzt, wo „Akte X“ vor 13 Jahren aufhörte – weil die Serie mit ihrer Mischung aus Mystery, Crime und einer Prise Science Fiction auf einmal aus der Zeit gefallen war. Nach den Ereignissen des 11. September 2001 mochten die Amerikaner an vieles glauben, und auch nach den Anschlägen auf das World Trade Center gab es verschiedenste Verschwörungstheorien. Doch über Verstrickungen von geheimen Regierungsorganisationen und außerirdischen Eindringlingen wollten sich nach 9/11 nur noch sehr wenige Zuschauer Gedanken machen.

Die Bedrohung durch den weltweiten Terror, die Überwachung durch die NSA und Edward Snowdens Enthüllungen, sie alle werden in der neuen Staffel thematisiert, schließlich muss erkennbar sein, dass die Zeit nicht spurlos vorbeigezogen ist. Das gilt auch für die Ex-FBI-Agenten, die freilich nicht jünger geworden sind. Bei Fox Mulder äußert sich das vor allem durch das Grau in seinem Sechs-Tage-Bart, an Dana Scully fällt das knochigere Gesicht auf. Anfangs läuft Mulder noch in einer verschlissenen Militärjacke durch die ländliche Gegend, in den weiteren Folgen tragen die beiden jedoch wieder FBI-Business-Dress.

Verschwörung von Innen?

An den mitunter gestelzten Dialogen des Ex-Paares hat sich hingegen wenig geändert. Dafür hat Fox Mulder eine neue Rolle. Früher war er gewillt, die Rolle der Bösen den Aliens zu übertragen, die nach seiner Überzeugung seine Schwester entführt haben sollen. In der neuen Staffel ist es nun Fox Mulder, der andere davon überzeugen möchte, dass es eben nicht die Außerirdischen sind, die es zu bekämpfen gilt. Die Verschwörung komme vielmehr von Innen, will er nun glauben. Menschen setzen außerirdische Technologie gegen andere Menschen ein. Und dahinter stehen Teile der Regierung.

Tad O’Malley (Joel McHale), Moderator der Youtube-Sendung „The Truth Squad“ glaubt ebenfalls an Aliens und Verschwörungen. Er will Mulder und Scully dazu bewegen, sich wieder in den Dienst der X-Akten zu stellen. Man verrät kein Geheimnis, wenn man erzählt, dass es genau dazu kommt, inklusive eines Wiedersehens mit FBI-Assistent-Direktor Walter S. Skinner (Mitch Pileggi) und dem „Raucher“ (William B. Davis), jener Personifikation sämtlicher Vorurteile gegen US-Regierungseinrichtungen mit drei Buchstaben. Um nichts weniger als um die Enthüllung der größten Verschwörung der Menschheitsgeschichte geht es. Dafür steht nicht zuletzt Chris Carter, der Erfinder von „Akte X“, der auch diese Staffel produziert hat.

Fantasie bleibt außen vor

In der Neuauflage von „Akte X“ wird dabei im Vergleich zu den alten Staffeln deutlich weniger der Fantasie überlassen. Sei es das Raumschiff, das nach der Überzeugung vieler Amerikaner Ende der 40er Jahren in Roswell abgestürzt ist, sei es der großäugige Fremde, dessen toter Körper angeblich in einer geheimen militärischen Anlage mit dem Namen Area 51 gelagert wird – in der Neuauflage werden sie klar und deutlich gezeigt. Und auch wie ein streng geheimes Kampfflugzeug aussieht, das von außerirdischer Kraft (Anti-Gravitations-Antrieb) bewegt wird und mit extraterrestrischen Fähigkeiten (kann sich komplett unsichtbar machen) ausgestattet ist, wird dem Zuschauer der neuen „Akte X“-Staffel gezeigt. Doch ob das Leitmotiv der Serie – „Die Wahrheit ist irgendwo da draußen“ – noch immer stimmt, lässt sich nach einer Episode nicht sagen.

„Akte X“, ProSieben, Montag, 21 Uhr 10

Autor

7 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben