Neuer Heino-Ferch-Krimi im ZDF : Spuren der Begierde

Gier, Geiz und Geilheit: Heino Ferch löst als Psychiater Richard Brock seinen sechsten Fall in Wien.

Analog hält besser. Der tatverdächtige Johannes Rink (Benjamin Sadler, links) kniet vor Richard Brock (Heino Ferch) und schreibt ihm etwas in seine Handfläche.
Analog hält besser. Der tatverdächtige Johannes Rink (Benjamin Sadler, links) kniet vor Richard Brock (Heino Ferch) und schreibt...Foto: ZDF und Petro Domenigg

Dunkel ist dieses Wien. Dunkel und schwer. Grau-blau sind die Bilder gehalten, beinahe vollkommen entfärbt (Kamera: David Slama). Wenig Helles, wie überhaupt nur wenige Szenen am Tag oder draußen bei Licht spielen. Aber das ist in der herausragenden österreichisch-deutschen Reihe „Spuren des Bösen“ immer so. Die Stadt liegt da wie ein fetter, unbeweglicher Molch, dem es vollkommen wurscht ist, was geschieht. Indifferenz mit Charme. Wiener Weltschmerz-Melancholie. Und a bisserl Schmäh dazu.

Auch der Verhörspezialist und Psychiater Richard Brock, nun mehr zum sechsten Mal geradezu kongenial von Heino Ferch verkörpert, ist diesem Weltschmerz anheimgefallen. Längst schon. Immer schon. Brock lebt allein in seiner Altbauwohnung, Brock sitzt allein in seinem Stammlokal, in der Radetzkystraße direkt ums Eck, Brock arbeitet auch allein und stößt damit regelmäßig eine Vielzahl an Menschen vor den Kopf, bis hin zu seiner eigenen Tochter Petra (Sabrina Reiter), die auch bei der Polizei arbeitet. Ein Außenseiter ist er, dieser unzugängliche, wortkarge Brock. Heino Ferch hat – bei all seiner Wandlungsfähigkeit – in diesem Charakter, dem Brock, einen direkt auf ihn zugeschriebenen Part gefunden.

„Begierde“ heißt der neue Fall des Richard Brock. Wieder hat Regisseur Andreas Prochaska inszeniert, wieder hat Martin Ambrosch das Drehbuch geschrieben. Auch das ist schon immer so. Und hoffentlich bleibt es auch noch lange so. Denn was dieses Kreativ-Duo im Zusammenspiel mit Heino Ferch hier in sehr loser Folge kreiert, das hat im deutschsprachigen Fernsehraum Seltenheitswert.

In „Begierde“ steht, als Richard Brock an der Universität wieder seine wöchentliche Vorlesung hält, plötzlich Clara Rink (Julia Koschitz) in der Tür. Die Frau bittet ihn um Hilfe, es geht um ihren Mann Johannes (Benjamin Sadler), den Richard Brock von früher kennt. Von früher, da Brock einmal Johannes’ Vater behandelt hat, der unter Schizophrenie litt.

Ist Johannes schizophren?

Clara hat nun Angst, dass Johannes die Krankheit geerbt haben könnte, ist sein Verhalten doch seit einigen Monaten schon sehr auffällig. Und tatsächlich, nachdem sich Brock ein Video angesehen hat, das die besorgte Ehefrau ihm anvertraut, da ist dem Psychiater klar, dass die Krankheit bei Johannes Rink ganz offensichtlich ausgebrochen scheint: Splitterfasernackt kniet er vor einem Altar in einer Wiener Kirche, bis die Polizei anrückt. Ein anderes Mal stößt er eine junge, attraktive Frau auf die Straße, vor einen Wagen.

Johannes Rink ist nicht mehr er selbst, ist nicht mehr der Mann, den Clara geheiratet hat. Die Erkrankung steht nunmehr zwischen ihnen. Und Brock findet bald schon heraus, dass die Frau, die Rink auf die Straße gestoßen hat, eine größere Rolle in dessen Leben spielt, als bislang angenommen: die Prostituierte Amanda, die eigentlich Eva Faller (Mavie Hörbiger) heißt, ist schwanger. Werdender Vater des Kindes ist Rink. Bei alledem ist es ein Glück, dass Clara Rink sich stets auf den loyalen, omnipräsenten Hausarzt der Rinks, Dr. Bode (Harald Schrott) verlassen kann. Dann geschieht Unvorhersehbares.

„Begierde“ zeichnet subtil die Verflechtungen all dieser Menschen nach, Verflechtungen, die am Ende des Tages ins Verderben führen, in den eigenen Abgrund der Handelnden. Gier, Geiz und Geilheit liegen da unten.

„Begierde“ mag zwar nicht der allerbeste der bislang sechs wunderbaren Brock-Filme sein, hier und da hat sich diesmal ein kleines Spannungsvakuum eingeschlichen, hier und da ist diesmal die ein oder andere Figur nicht wirklich rund erzählt. Dennoch gilt: Der Zuschauer darf, Gott sei Dank, noch auf einige „Spuren des Bösen“ hoffen. Solche raren Fernsehfilme mit Tiefgang – in sich abgeschlossen und wohl dosiert, keinem Serienduktus unterworfen, keiner Mainstream-Mode untertänig – machen das Programm so sehr reicher.

„Spuren des Bösen: Begierde“, Montag, ZDF, 20 Uhr 15

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