Neuer Job : Schröder wird Ringier-Berater

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder wird Berater beim Schweizer Medienkonzern Ringier. Er soll dort vor allem Türen für die Auslandsgeschäfte des Verlags öffnen.

Berlin/Zürich - Der Ex-Kanzler werde sein Mandat Anfang kommenden Jahres antreten, gab Verleger Michael Ringier zwei Tage nach Schröders endgültigem Ausscheiden als deutscher Regierungschef am Donnerstag in Zürich bekannt.

Angaben zu Schröders Honorar machte der Chef des größten Schweizer Verlagshauses nicht. Unklar blieb zunächst auch die genaue Art der Tätigkeit des Ex-Kanzlers. Laut Ringier wird Schröder weder im Verwaltungsrat noch in einem anderen Gremium des Verlags einen Sitz übernehmen. Er rechne aber mit einer «Türöffnerfunktion eines der großen Staatsmänner der heutigen Zeit». Ringier verwies darauf, dass sein Verlag auch in China, Vietnam oder Ost-Europa stark vertreten sei. Als sein persönlicher Berater werde Schröder deshalb «ganz bestimmt auch die eine oder andere Tür öffnen können», sagte Ringier dem Nachrichtensender N24. Nach seinen Angaben gibt es zwischen ihm und Schröder seit Jahren ein freundschaftliches Verhältnis: «Es war immer irgendwie klar, dass wir mal was zusammen machen. Und jetzt ist eben der Zeitpunkt gekommen.»

Das seit 170 Jahren in der Schweiz aktive Verlagshaus mit über 6000 Mitarbeitern verzeichnete im vergangenen Jahr einen Umsatz von umgerechnet 750 Millionen Euro. Zwei Drittel davon gingen auf Zukäufe in Mittel- und Osteuropa zurück. Bei Ringier erscheint unter anderem das Boulevardblatt «Blick». In Deutschland gibt der Verlag das politische Monatsmagazin «Cicero» heraus. Zum publizistischen Beirat der Zeitschrift gehört auch Schröders langjähriger Vertrauter Heiko Gebhardt. «Cicero»-Chefredakteur Wolfram Weimar bezeichnete Ringier als «ein Magnet für Denker und Macher». Schröders Engagement unterstreiche auch die internationale Ausrichtung des Konzerns.

Der ausgeschiedene Kanzler hatte angekündigt, dass er keine lukrativen Aufsichtsratposten in deutschen Industriekonzernen übernehmen, sondern sich wieder vermehrt von Berlin aus seiner Tätigkeit als Anwalt widmen wolle. Außerdem will er bis Herbst nächsten Jahres ein Buch über seine sieben Regierungsjahre schreiben.

Der neue Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) nannte Schröders Ringier-Engagement «sehr ordentlich». Dies zeige, dass auch ein Wechsel von der Politik in die Wirtschaft möglich sei.

Auch Schröders CDU-Vorgänger Helmut Kohl war nach seiner Abwahl 1998 in den Dienst eines Schweizer Unternehmens getreten. Er wurde im März 1999 Mitglied des internationalen Beirats der Großbank Credit Suisse. In Bankenkreisen wurde damals von einem Jahreshonorar von 100.000 Schweizer Franken gesprochen. Im Verlauf der CDU-Spendenaffäre ließ Kohl dieses Mandat vorläufig ruhen. (tso/dpa)

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