Medien : Neuer Kodex: Die zehn Gebote für Journalisten

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Herr Leif, das Netzwerk Recherche hat am Mittwoch einen neuen Medienkodex vorgestellt. Was sind die zentralen Punkte?

Wir plädieren darin für seriösen, nachhaltigen Journalismus, absoluten Informantenschutz, Trennung von PR und Journalismus und eine Verpflichtung für Journalisten, sich weiterzubilden.

Es gibt doch schon den Pressekodex, in dem einige Punkte, die Sie gerade aufgezählt haben, festgeschrieben sind.

Der Pressekodex gilt nur für Print, unser Kodex für alle Medien. Und im Kleingedruckten schränkt der Pressekodex Informantenschutz und die Trennung von redaktionellen Inhalten und Werbung beispielsweise wieder ein. Er spiegelt überwiegend die Verlegerinteressen wider.

Der Pressekodex wird vom Presserat überwacht …

… auch der Presserat wird dominiert von den großen Verlagen, die drei Viertel seiner Kosten tragen. Die Justiziare der Großverlage wissen mit geschickten juristischen Tricks manche Rüge abzuwehren.

Ist Ihr Kodex mehr als schöne Worte?

Unser Kodex soll die Selbstreflexion anregen. Wir finden außerdem, dass die Kontrollgremien, die es für die Öffentlich- Rechtlichen oder für das Privatfernsehen schon gibt, gestärkt werden sollen. In den Redaktionen sollte es außerdem Ombudsmänner und Ombudsfrauen geben.

Ist Ihrer Meinung nach etwas aus dem Ruder gelaufen, dass es neuer Standesregeln für Journalisten bedarf?

Ja, weil die Medien unter extremem ökonomischen Druck stehen. Verlegerinteressen und Journalisteninteressen entwickeln sich immer weiter voneinander weg. An unseren zehn Regeln sollen sich die Journalisten festhalten können.

Das Interview führte Barbara Nolte.

Kodex: www. netzwerkrecherche.de

Thomas Leif ist

Vorsitzender

des Netzwerkes

Recherche.

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