Neuer Lars-Becker-Film : Darum führe mich nicht in Versuchung

Das Polizistendrama „Zum Sterben zu früh“ durchbricht die übliche Krimilogik und -moral.

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Partner und Freunde: Mario Diller (Michael Ofczarek, li.) lässt Erich Kessel (Fritz Karl) nicht im Stich.
Partner und Freunde: Mario Diller (Michael Ofczarek, li.) lässt Erich Kessel (Fritz Karl) nicht im Stich.Foto: ZDF

Der Schauspieler Fritz Karl kann beides, Krimi und Komödie. Als der Tagesspiegel ihn in einem Interview fragte, was denn schwerer zu spielen sei, antwortete er: „Beides hat seine Tücken. Aber es ist schon wahnsinnig schwer, eine gute Komödie zu schreiben, zu inszenieren und zu spielen. Bei den meisten klassischen Krimis ist es doch so: Man ahnt, was passiert, und klärt einen Mord auf. Bei einer Komödie ist die Dramaturgie komplizierter.“ Der ZDF-Montagskrimi „Zum Sterben zu früh“ ist alles andere als eine Komödie, aber sicherlich auch kein Krimi von der Whodunit-Stange, bei der es einzig darum geht, einen Verbrecher zur Strecke zu bringen.

In „Zum Sterben zu früh“ wird die Vorgeschichte zu „Unter Feinden“ von Georg M. Oswald erzählt. Im Mittelpunkt stehen die beiden Hamburger Ermittler Mario Diller (Nicholas Ofczarek) und Erich Kessel (Fritz Karl). Sie sind nicht nur Partner, sondern zugleich dicke Freunde. In der Einfamilienhaussiedlung wohnen sie auf den gegenüberliegenden Straßenseiten, ihre Frauen Claire Kessel (Jessica Schwarz) und Emma Diller (Anna Loos) sind ebenfalls miteinander befreundet. Bei den Kesslers läuft es allerdings gar nicht gut, vor allem weil die Finanzierung der teuren Gehirnoperation der an Epilepsie leidenden Tochter ungeklärt ist.

Letzte Hoffnung: 30 Kilo Koks

Bis sich plötzlich eine Situation ergibt, die Erich Kessel als seine Chance ansieht, nun alles zum Besseren zu wenden. Bei einem Einsatz im Drogenmilieu liegt auf einmal eine Tasche mit 30 Kilo Koks vor ihm, die er flugs im Kofferraum seines Wagens verschwinden lässt. Kollege Diller ahnt nichts von den gefährlichen Alleingängen seines Partners, doch das schützt weder ihn noch alle anderen Beteiligten davor, in den damit in Gang gesetzten Strudel hineingerissen zu werden.

Das alles gehört zu den ersten Minuten des Films, und niemand soll glauben, dass irgendetwas an der weiteren Handlung nun vorhersehbar wäre. Regisseur Lars Becker durchbricht mit „Zum Sterben zu früh“ die Moral und Logik der üblichen TV-Krimis. Nicht einmal, sondern so oft es nötig ist, um ein außergewöhnliches Polizistendrama zu schaffen. Wer sagt denn, dass die Figuren in einem Fernsehkrimi logischer denken und handeln müssen als normale Menschen? Warum sollten Polizisten im deutschen Fernsehen immer so vorbildhaft agieren wie nach Lehrbuch? Und welchen Grund gibt es, dass die Protagonisten unbedingt Good Guys sein müssen? Wer darauf nicht nur die Standardantworten hören möchte, wird am Montagabend im ZDF gut unterhalten. Kurt Sagatz

„Zum Sterben zu früh“, ZDF, Montag, 20 Uhr 15

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