• Neuer Regierungssprecher: Steffen Seibert geht, das ZDF staunt und Klaus Ernst scherzt

Neuer Regierungssprecher : Steffen Seibert geht, das ZDF staunt und Klaus Ernst scherzt

Steffen Seibert wird Merkels neuer Regierungssprecher. Der Vorsitzende der Linken, Klaus Ernst, begrüßte ihn mit den Worten: "Viel Spaß auf der Titanic".

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Foto: ddp

„Zentrum Der Freude“, so nennen die Ironiefähigen im ZDF ihren Sender. Sehr viele sind es nicht, aber einer macht sich folgenden Reim auf die Ernennung von Steffen Seibert zum Regierungssprecher. Seibert sei Anfang 2009 in die Castingshow „Ich kann Kanzler“ involviert gewesen – als Moderator, nicht als Kandidat. Egal, Kanzlerin Merkel oder einer ihrer Adlaten habe den „Kanzlermacher“ in so guter Erinnerung behalten, dass Seibert jetzt als den Vermittler schwarz-gelber Regierungskunst gecastet worden sei. Der Linke-Vorsitzende Klaus Ernst begrüßte den neuen Regierungssprecher mit den Worten „Viel Spaß auf der Titanic“.

Im ZDF ist die Verblüffung über die Wahl des News-Anchors, der den Parteien unterschiedlich ferne steht, groß, noch größer ist die Verblüffung, dass Seibert zugesagt hat. „Das ist jetzt für ihn ein Abenteuerurlaub, den er hoffentlich ohne Blessuren übersteht“, sagte Thomas Gottschalk der „Bild am Sonntag“. Er erwarte ihn „irgendwann“ zurück.

Chefredakteur Peter Frey „vergiftete“ seinen Abschiedsgruß. Er bedauere, dass „Steffen Seibert seine Perspektive nicht im Journalismus gesehen hat.“ Nicht im ZDF, hat Frey gemeint, denn der Weggang des beim Senderpublikum geschätzten Seibert reißt eine Lücke ins journalistische Starpersonal. Petra Gerster und Barbara Hahlweg übernehmen Seiberts Einsätze bei „heute“, beim „heute-journal“ bleiben Marietta Slomka und Claus Kleber im Einsatz. Das Quartett muss öfters ran, da bleibt weniger Zeit für Sidesteps ins Reportagefach (Slomka, Kleber), da ist mancher Nebenverdienst in Gefahr.

Steffen Seibert, vom Karrierestart an beim Mainzer Sender, ist 50, verheiratet, dreifacher Vater. Jetzt geht er nach Berlin, was wird aus ihm, wenn die Regierung Merkel plötzlich am Ende ist? Wenige nur haben die ZDF-Zentrale mit ihren Lebensarbeitsplätzen je verlassen, wenn, dann ging es in die ZDF-Dependancen national oder global. Seibert geht ein Risiko ein, das dem normalen Mitarbeiter fremd ist. An seine Rückkehr als ZDF-Intendant glaubt kaum einer. „Der muss dann zur ARD“, unkte einer.

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