Neuer Rettungsversuch : Radio Multikulti als Mini-Version

Die Berliner Medienanstalt macht sich für ein Programmfenster stark. Dafür würde sie sogar eine halbe Million Euro zahlen.

Sonja Pohlmann

Konkrete Formen hat der Rettungsplan für Radio Multikulti zwar noch nicht angenommen, aber erste Ideen, den Sender zumindest als Mini-Version zu erhalten, gibt es nun: Wenn Radio Multikulti vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) Ende des Jahres eingestellt wird und der WDR mit seinem Funkhaus Europa auf der Frequenz sendet, soll zumindest Platz für ein täglich zweistündiges regionales Fenster aus Berlin geschaffen werden.

„500 000 Euro könnte eine solche abgespeckte Version von Radio Multikulti jährlich kosten“, sagt Hans Hege, Direktor der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB). Diesen Betrag würde die MABB gerne von ihren neun Millionen Euro, die sie jährlich aus zwei Prozent der Rundfunkgebührengelder erhält, abzwacken und beispielsweise einem unabhängigen Verein zur Verfügung stellen, der das Programmfenster gestaltet. Die drei Millionen Euro, die aus den Überschüssen der MABB jährlich an den RBB fließen, würden damit allerdings um eine halbe Millionen Euro verringert. Um eine solche Mini-Multikulti-Version umsetzen zu können, ist eine entsprechende Regelung im Medienstaatsvertrag zwischen Berlin und Brandenburg notwendig – und das Einverständnis von RBB und WDR. RBB-Intendantin Dagmar Reim will sich zu den Plänen nicht äußern, bevor ihr kein konkretes Konzept vorliegt. Der RBB hatte für die Gebührenperiode ab 2009 ein strukturelles Defizit von 54 Millionen Euro kalkuliert. Um zu sparen, sollen Radio Multikulti und das ARD-Magazin „Polylux“ Ende 2008 eingestellt werden.

Die Fraktionen von SPD, Linke, CDU und Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus haben nun zusammen einen Brief an die Rundfunkräte geschrieben, um erneut gegen die Schließung von Radio Multikulti zu protestieren. Ebenfalls unterzeichneten Prominente wie Köchin Sarah Wiener oder Kabarettist Dieter Hildebrandt einen Offenen Brief an die RBB-Geschäftsleitung. Sie alle hoffen, dass sich die Rundfunkräte bei ihrem Treffen am kommenden Donnerstag für den Erhalt von Radio Multikulti einsetzen. Ein entsprechendes Programmpunkt ist bisher allerdings nicht geplant. Sonja Pohlmann

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