Neuer Senderchef : SPD kann noch gewinnen

Mit einer Stimme Mehrheit: Thomas Kleist wird neuer Intendant des Saarländischen Rundfunks.

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Herr auf dem Halberg. Thomas Kleist folgt Fritz Raff als SR-Chef. Foto: dapd
Herr auf dem Halberg. Thomas Kleist folgt Fritz Raff als SR-Chef. Foto: dapdFoto: dapd

Eine Stimme mehr reicht. Das wusste schon Konrad Adenauer, als der CDU-Politiker 1949 zum ersten Bundeskanzler gewählt wurde. Die eine Stimme zur Mehrheit war seine. So gesehen hat Thomas Kleist mehr erreicht als Adenauer. Auch Kleist wurde am Freitag in sein neues Amt als Intendant des Saarländischen Rundfunks (SR) mit einer Stimme Mehrheit gewählt – seine eigene Stimme war es aber nicht. Kleist ist nicht Mitglied des Wahlgremiums, des SR-Rundfunkrates. Aber dort ist er bestens bekannt, seit 2000 leitet er den Verwaltungsrat des Senders auf dem Halberg in Saarbrücken. Kleists Gegenkandidat war Christoph Hauser, Arte-Programmdirektor, der erst im siebten Wahlgang unterlag, als die einfache Mehrheit entschied. Davor wären zwei Drittel der Stimmen notwendig gewesen.

Die Wahl von Kleist ist im Rahmen öffentlich-rechtlicher Intendanten-Findung eine kleine Sensation. Der 55-jährige Saarländer ist Sozialdemokrat und damit Mitglied der größten Oppositionspartei im Landtag. Derzeit regiert im Saarland eine Koalition aus CDU, Grünen und der FDP, ihr Wunschkandidat war Christoph Hauser.

Thomas Kleist war in den Jahren 1996 bis 1999 als Staatssekretär im Frauen-, Arbeits-, Gesundheits- und Sozialministerium Mitglied der SPD-geführten Landesregierung. Seit 2000 arbeitet er als Rechtsanwalt und Unternehmensberater mit den Schwerpunkten Medienrecht, Medienpolitik und Krankenhausmanagement. Außerdem ist er Direktor des von ihm mitgegründeten Instituts für Europäisches Medienrecht. Kleist kennt beide Seiten des dualen Rundfunksystems in Deutschland sehr gut: den privaten Bereich ebenso wie den öffentlich-rechtlichen Sektor. 1985 trat Kleist als erster Direktor der Landesanstalt für das Rundfunkwesen im Saarland an, der heutigen Landesmedienanstalt. Die Aufsichtsbehörde für den Privatfunk führte er bis 1996, vier Jahre später wurde er Vorsitzender des SR-Verwaltungsrates.

Wie schon sein Anfang des Jahres verstorbener Vorgänger Fritz Raff hat Kleist im Kern diese Aufgabe: Den Saarländischen Rundfunk als selbstständigen Sender zu erhalten und darauf zu achten, dass der nach Radio Bremen zweitkleinste ARD-Sender im Senderverbund nicht übersehen wird. Das ist Raff gelungen, so gut, dass er 2007/2008 als ARD-Vorsitzender amtieren konnte. Joachim Huber

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