Medien : Neuer Senderplatz

N 24 zieht innerhalb der Hauptstadt um

Nun ist es offiziell: Der Nachrichtensender N 24 wird seinen derzeitigen Standort an der Berliner Oberwallstraße verlassen und 2009 in ein neues Gebäude in der Hauptstadt ziehen. Dies bestätigte der Sender. Anfänglichen Gerüchten in Redaktionskreisen über einen neuen Sitz im dezentral gelegenen Stadtteil Adlershof widersprach N-24-Geschäftsführer Torsten Rossmann nach Angaben von Mitarbeitern mit der Vorgabe, dass die neuen Redaktionsräume „höchstens 20 Taximinuten“ vom Regierungsviertel entfernt liegen sollen. Damit wolle man gewährleisten, dass auch in Zukunft hochrangige Politiker zu Live-Interviews in den Sender kämen. Zum geplanten Standort sagte Rossmann, dass man derzeit „mehrere Objekte“ in Berlin anschaue. Der Umzug innerhalb der Hauptstadt ist nur Teil eines Umbaus von Deutschlands derzeit erfolgreichstem Nachrichtensender. Bereits Anfang August wurde Frank Meißner, bis dahin Chef von PSP, der Produktionstochter der Senderfamilie Pro Sieben Sat 1, zu N 24 geholt, um sich dort als Geschäftsführer für Produktion und Technik um die Etablierung einer neuen technischen Plattform zu kümmern. Diese könnte zahlreiche Arbeitsplätze kosten. Ein Mitglied des Pro-Sieben-Sat-1-Betriebsrats sagte dem Tagesspiegel, dass man bei N 24 in Zukunft wohl vermehrt auf die Fokussierung verschiedener Tätigkeiten auf eine Person setzen werde, um so Personalkosten im Produktionsbereich einzusparen. So sollen Redakteure künftig einen Beitrag von der Recherche über den Dreh bis zum Schnitt ohne die Hilfe von Kameraleuten oder Cuttern realisieren. Teilweise wurde dieses Konzept auch schon bei den eingestellten Magazinendungen „Sat 1 am Mittag“ und „Sat 1 am Abend“ angewandt. Hier waren auch sogenannte „VJs“ im Einsatz, die ihre Beiträge selbst filmen. Der Nachrichtensender produziert neben den eigenen Sendungen auch die Nachrichten der Konzernschwestern Sat 1, Pro 7 und Kabel 1.

Die angekündigten Investitionen in den Nachrichtensender im zweistelligen Millionenbereich machen umherschwirrende Gerüchte über eine Einstellung von N 24 zur Makulatur. Entsprechendes war aus einem Schreiben von Pro-SiebenSat-1-Chef Guillaume de Posch gefolgert worden. Dieses Schreiben an vier Ministerpräsidenten von Union und SPD liegt dem epd vor. Darin sei weder von einer Existenzfrage für N 24 die Rede, auch mit einer Einstellung des Senders werde nicht gedroht. De Posch schreibe allerdings, durch einen „zusätzlichen, nicht politisch sanktionierten Wettbewerb durch die öffentlich-rechtlichen Informationsprogramme“ sei die „Refinanzierbarkeit“ der privaten Spartenkanäle gefährdet. Nach privater Lesart soll Eins Extra zum öffentlich-rechtlichen Nachrichtenprogramm und damit als Konkurrenz zu N 24 und n-tv aufgebaut werden. Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff sagte, die Verbreitung und Weiterentwicklung der digitalen Angebote von ARD und ZDF seien ausdrücklich im Rundfunkstaatsvertrag gebilligt worden. Er bekräftigte die Absicht der ARD, Eins Extra zu einem „umfassenden Informationsangebot mit einem verlässlichen Nachrichtenservice“ weiterzuentwickeln. Nachrichten stellten die Urform der Information dar. Dagegen zeige das Programm bei N 24 und n-tv, dass dort in den vergangenen Jahren Nachrichtenteile heruntergefahren worden seien. „Stattdessen kann man dort stundenlang die Formel 1, Golfkurse und Reiseberichte verfolgen sowie Weinmagazine und Dokus über die größten Schiffskatastrophen aller Zeiten anschauen“, sagte Raff. Die Privatsender wollten mit ihrer Kritik an der ARD von eigenen Defiziten ablenken. psil/jbh

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