Neues Magazin : Von Siegern und Verlierern

"Aufstieg und Fall" heißt ein neues Magazin, das Studenten der Berliner UdK an den Kiosk gebracht haben. Der Name ist Programm.

Vera Pache

Passender als zur aktuellen Krise könnte der Titel dieses neuen Magazins kaum gewählt sein. Doch ist „Aufstieg und Fall“ kein Börsen- oder Wirtschaftsblatt, sondern ein kulturelles Gesellschaftsmagazin, das jetzt von Studenten der Berliner Universität der Künste (UdK) gestartet wurde. Der Name ist Programm in der ersten Ausgabe: Sie dreht sich um Geschichten von Erfolg und Abstieg aus verschiedenen Perspektiven. So widmet sich beispielsweise Autorin Ariadne von Schirach, bekannt durch ihr Buch „Der Tanz um die Lust“, Menschen, die Sex, Illusionen und Anteilnahme gegen Geld, Karriere oder sozialen Aufstieg eintauschen und stellt fest: „Die Welt ist nicht gerecht. Das wissen Hochschläfer schon lange.“

Die Idee zu „Aufstieg und Fall“ hatte Susann Kramer zusammen mit ihren Kommilitonen Sandra Broschat und Eric Lindig. Gemeinam studieren sie an der UdK Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation. Herausgegeben wird das Magazin zum Preis von 5,80 Euro von der Forumsprojekt GmbH, Chefredakteur ist Ivan Aranega Tortosa. Angebunden ist das Magazin an den Verein Kommunikationsforum, eine Plattform für Studenten, um Theorie und Praxis zu verbinden.

Neben Ariadne von Schirach schreiben auch viele junge, noch unbekannte Autoren für „Aufstieg und Fall“, so Susann Kramer, die Projektleiterin des Magazins ist. Viele Texte – zum Teil auf Deutsch, zum Teil auf Englisch – sind eher Essays und literarische Geschichten als journalistische Artikel. Daneben gibt es Interviews wie mit dem Trendscout Jozo Juric, der Mode von der Straße in die Läden bringt und der Band „Kilians“, die erzählen, wie viel sie schwitzten, bevor sie es in die Charts schafften. Feste Rubriken gibt es keine, durch Fotostrecken, Illustrationen und eine künstlerische Arbeit ist der Bildanteil hoch. Viermal pro Jahr soll das Magazin erscheinen. „Wir haben nicht den Anspruch aktuell zu sein“, sagt Susann Kramer.

Um so verwunderter war die Redaktion, als die erste Ausgabe bereits stand – mit einem Text über Michael Jackson, mit einem Text über den Milliardenbetrüger Madoff und mit einigen Seiten über Flugzeugabstürze – und Ereignisse plötzlich passend zum Inhalt passierten: die Air-France-Maschine verunglückte, Michael Jackson starb und schließlich wurde Madoff zu 150 Jahren Haft verurteilt. „Das war schon ein bisschen gruselig“, sagt Susann Kramer.Vielleicht kurbelt die ungewollte Aktualität den Verkauf an. Noch werden die Autoren nicht bezahlt, alle anderen Ausgaben seien durch Anzeigen gedeckt worden, sagt Kramer: „Von der Wirtschaftskrise haben wir so gut wie nichts gemerkt.“

Ob „Aufstieg und Fall“ selbst die Erfolgsleiter hochklettert, zeigt sich mit den nächsten Ausgaben. Das zweite Heft, das im Oktober erscheinen soll, wird bereits geplant. Nebenbei müssen sich die Macher um ihren persönlichen Aufstieg kümmern – und die am Semesterende fälligen Klausuren schreiben. Vera Pache

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