Medien : Neues Medienmagazin im „Bravo“-Stil

Ulrike Simon

Der schrecklichste Medientrend? Neben der Übertragung von Hinrichtungen auf arabischen Fernsehsendern die Gründung neuer Medienmagazine. Das sagt Klaas Glenewinkel, der im Sommer ein Jugendradio für Bagdad veranstaltet hat, in „v.i.s.d.p.“, einem neu gegründeten Medienmagazin. Das Blatt ist wie Glenewinkels Antwort. Unvergleichbares wird verglichen, frech und witzig will es sein, originell sowieso, und etwas mehr Substanz könnte nicht schaden. „Wir wissen, (…) dass Sie manchmal ziemlich mäkelig sind“, schreibt die Redaktion im Editorial. Sie scheint ihre Leser zu kennen – vor allem das, was ihnen allen gemein ist: Eitelkeit und Klatschsucht.

Schon auf dem Cover kann jeder Chefredakteur, Intendant, Programmchef und jeder, der das werden will, nachsehen, über wen – und vor allem, ob über ihn selbst etwas in „v.i.s.d.p.“ zu lesen ist. Wenn nicht, kann er im alphabetischen Namensregister suchen. Wurde er dort nicht fündig, kann er hoffen, dass auf den letzten Seiten wenigstens sein Foto von einer der diversen Medienpartys veröffentlicht ist. Wer auch hier nicht berücksichtigt ist, steht bestimmt im prominent besetzten Redaktionsbeirat – so wie Werner Funk, Friedrich Nowottny, Manfred Bissinger oder Beate Wedekind. Eine „Bunte“ für Medienmacher, das gab es noch nicht. Unverhohlen gibt „v.i.s.d.p.“ zu, auch von „Zitty“, „Stern“ und „Kicker“ Ideen geklaut zu haben. Gefühlte zwei Drittel der 82 Seiten widmen sich Grafiken und Rankings, die optisch mehr an die „Bravo“-Charts erinnern denn an „Focus“, den Meister der Infografik.

Quietschbunt und zusammengeschnipselt wirkt das Layout, das von keinem Geringeren als „Tempo“-Artdirektor Lo Breier stammt. Lesenswert: ein Interview, in dem Ulrich Kienzle über seinen verstorbenen Widerpart sagt „Hauser konnte man nicht mögen …“. Unterhaltsam: die Fotos und Zitate von Mathias Döpfner (heute Springer- Vorstandschef) und Thomas Garms (heute „Hörzu“-Chef) aus ihren in den 80ern gemeinsam geschriebenen Büchern.

Rechtschreibfehler, vergessener Blindtext und handwerkliche Fehler deuten darauf hin, dass die Redaktion noch übt. Von Januar an erscheint „v.i.s.d.p.“ zehn Mal im Jahr für 6,90 Euro neben den Magazinen „Pressesprecher“ (für Pressesprecher), „Mandat“ (für Mandatsträger) und „Politik & Kommunikation“ (für Lobbyisten) im Helios-Verlag, Berlin.

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